Bilder: Felix Groteloh / Jan Reich

Da ist den Jungs ein gewaltiges Ding geglückt: Hansjörg und Matthias Aldinger haben in der jüngsten Ausgabe des Weinführers Gault Millau für ihren Sekt Brut Nature 100 Punkte erhalten. Mehr geht nicht. Und soviel gab’s noch nie für Württemberg. „Wir waren total geplättet“, sagt Matthias Aldinger, der Kellermeister, „mit sowas hätten wir nie gerechnet!“ 

Entspannt sitzt Matthias Aldinger in seinem Verkostungsraum und schüttelt langsam den Kopf. 100 Punkte. Was soll man dazu sagen? „Eigentlich ist das ja unerreichbar, der Wein im nächsten Jahr könnte ja noch besser sein“, sagt der junge Mann, um dann mit einem Strahlen im Gesicht hinzuzufügen: „Aber umso mehr bin ich happy.“  Der Weinführer Gault Millau schreibt dazu: „Der ideale Partner für eine Champagner-Blindverkostung! Der goldgelb leuchtende Prickler zaubert schon im Duft – feinstes Brioche, Schalen von Bitterorangen und Quitte . . . Er ist ausgewogen, vielschichtig – einfach perfekt!“

Und die neue Jury vom Gault Millau (die früheren Tester wie Frank Kämmer basteln nun am Vinum-Weinführer) scheint eine neue Linie zu fahren. Wenn etwas im eigenen Land „einfach perfekt“ schmeckt, dann kriegt dieses Produkt auch 100 Punkte. Und nicht, weil es womöglich einen besseren Champagner gibt nur 99 Punkte.

 

Die Blindprobe haben wir schon mit dem ersten Jahrgang gemacht: Die damalige Sommelière von der Zirbelstube, Nina Mann, mahlzeit-Redakteur Michael Weier und Matthias Aldinger.

Das Aldinger-Sekt-Projekt war genau für solche Experimente angelegt, Matthias Aldinger suchte bei seinem ersten Versuch 2009 schon nach dem ganz Besonderen. In der Champagne hat er sich erkundigt, wie denn so ein besonderes Blubberwasser hergestellt wird. Gerade jetzt ist der Jahrgang 2012 in den Verkauf gekommen, das bedeutet: Der Wein liegt ewig lang auf der Feinhefe, dadurch erhält er die Finesse, die er nun hat. Die Aldingers haben mit sechs Jahren Vorlauf sehr gezielt nach den Sternen gegriffen, diese aber auch nicht nur mit den 100 Punkten längst erreicht. Der Brut Natur, wie der Sekt heißt, wurde bereits im zweiten Jahrgang von der Fachzeitschrift „Vinum“ als bester Sekt gefeiert, beim Meininger-Sekt-Award hat er gewonnen und der „Falstaff“ setzte ihn ebenso an die Spitze der deutschen Erzeuger. Nachdem jahrelang die Sektkellerei Raumland (Verwandtschaft von Wöhrwags) ein Abo auf die ersten Plätze hatte.

Genau aus diesem Grund haben wir von mahlzeit den Rat vom Gault Millau auch schon vor zwei Jahren vorweggenommen. Bei einer Blindprobe gemeinsam mit Nina Mann, der damaligen Sommelière der Zirbelstube im Hotel am Schlossgarten, mit diversen Champagnern und herausragenden deutschen Sekterzeugern setzte sich der Brut Natur damals schon durch. Was die Aldingers da erzeugen, ist schlicht herausragend. Und in ein paar Jahren vermutlich noch viel besser!

In der Preisklasse (50 Euro) liegt das Weingut nicht unbedingt an der Spitze, vor allem verglichen mit Champagner. Der Preis ist auch trotz der jüngsten Auszeichnung gleich geblieben . Allerdings gibt’s von dem 100-Punkte-Sekt keinen mehr zu kaufen. Alles weg. „Den habe ich beim Witzigmann-Preis in New York ausgeschenkt“, sagt Matthias Aldinger, hinterher hat er bei Händlern wieder ein paar Flaschen zurück gekauft. Aber viel ist nicht mehr da, und seine Tochter, die im Jahr 2011 geboren wurde, habe ihm auch schon erklärt, dass er etwas davon für sie liegen lassen solle.

Dies wäre eigentlich ein Grund, sich zu grämen. Wäre da nicht der neue Jahrgang. Der 2012er schmeckt ebenfalls großartig, Bruder Hansjörg nimmt sich ein Glas, riecht und trinkt einen Schluck und sagt dann: „Eigentlich schmeckt mir der fast noch ein bisschen besser.“

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