Bilder: factum / Weise

Steaks, Cocktails und kein Rauch: Im ehemaligen Cocco-Bello ist vieles anders – aber immer noch schön. Mit dem Cocco-Bello hat nach fast 30 Jahren ein Traditionslokal in der Solitudestraße geschlossen, das fast schon zum Inventar der Stadt gehört hat.

So leise, still und fast heimlich wie im September das Cocco-Bello geschlossen hat, hat nun das Viva eröffnet. Seit acht Tagen ist das Lokal in der Ludwigsburger Solitudestraße keine Baustelle mehr. Aber außer einem Schild, das Gäste willkommen heißt, weist nichts darauf hin, dass eine der traditionsreichsten Ludwigsburger Lokalitäten wieder besucht werden kann. Doch geöffnet ist sie durchaus. „Gegen Ende November planen wir eine Eröffnungsfeier“, sagt Onur Deniz, der Chef im neuen Viva. Erst mal gucken, dass in der Küche alles rund läuft, dass die Mitarbeiter im Service vollständig sind, die Handwerker die letzten Handgriffe vollenden – oder wie es Onur Deniz formuliert: „Dass wir unseren Rhythmus finden.“

Onur Deniz ist 28 Jahre alt und sieht mit seinen Armen voller Tattoos und seinem vollen Bart wesentlich düsterer aus, als er ist. Seine Stimme klingt auffallend sanft, sein Blick wirkt fast schüchtern.

Als Onur Deniz noch jünger war, hat er sich einen Bürojob gewünscht. Irgendetwas Unaufgeregtes, nicht zu Anstrengendes mit festen Arbeitszeiten. Dafür hat er in Heilbronn technisches Logistikmanagement studiert. So richtig gefesselt hat ihn das Fach dann allerdings nicht. Nach drei Semestern brach er sein Studium ab – und konzentrierte sich auf das, was ihn wirklich fesselte: die Gastronomie. Während des Studiums hatte Onur Deniz als Barkeeper gejobbt. Als dann ein Freund Hilfe in seiner Shisha-Bar benötigte, entschied sich der ehemalige Student, die Bar zu übernehmen. Das war vor dreieinhalb Jahren, und – wenn man den Kommentaren der Gäste im Internet folgt – eine gute Entscheidung. „Hammer“, „Absolut empfehlenswert“, „Fabelhaft“, „Tolle Atmosphäre“ sind die gängigen Bewertungen für das Metropol in der Bahnhofstraße. Und nun das Viva.

Es ist nicht so, dass man sich beim Betreten des Lokals in der Solitudestraße nicht mehr an das Cocco-Bello erinnert fühlt. Der Zuschnitt ist der gleiche geblieben, die Stühle und Tische stehen an denselben Stellen. Aber es sind andere Tische (braunes Holz) und Stühle (in Türkis und schwarzem Leder). Die Lampen sind ausgetauscht (kein Kronleuchter), die Wände frisch gestrichen (nicht weiß) und der Raucherbereich ist verschwunden. Das Geschirr ist neu und die Karte ebenfalls. Die Preise unterscheiden sich allerdings nicht allzu sehr von früher.

Im Viva gibt es nun ein größeres Frühstücksangebot als früher im Cocco-Bello, weshalb es auch eine Stunde früher öffnet: um 9 Uhr. Und es gibt Steak-Spezialitäten. Aus kontrolliertem Anbau, serviert auf heißem Lavastein. „Wir sind aber kein Steakhouse“, betont Onur Deniz. Im Angebot sind auch Pasta und Salate und – natürlich – Cocktails. Die mixt der Chef persönlich. Wie er überhaupt sehr viel persönlich macht. Bedienen, kassieren, Seifenspender auffüllen, putzen. „Was gemacht werden muss, muss gemacht werden“, sagt Deniz, der jeden Gast mit Handschlag begrüßt.

Fast ein Jahr hat der Shisha-Bar-Betreiber überlegt, ob er zusätzlich auch ein Lokalbetreiber werden möchte. Das ist ja nichts, was man so geschwind nebenbei macht. Und das ist nichts, was man nur für sich macht, man hat ja auch Verantwortung für Mitarbeiter; in diesem Fall für zehn. Ein Großteil stammt noch aus Cocco-Bello-Zeiten. Das Ende ist bekannt: Onur Deniz ist auch noch Lokalbetreiber geworden. „Klar kann man verlieren“, sagt er. Aber das finde man nur raus, wenn man es versuche. Und, fragt der Mann, der sich einst einen ruhigen Job in einem Büro wünschte, rhetorisch: Wenn man sich voller Leidenschaft einbringt und nie aufhört, besser werden zu wollen – warum sollte es dann nicht funktionieren?

Nach dem Stand der Dinge scheint Onur Deniz auf einem guten Weg: Obwohl er sein Viva leise, still und fast heimlich eröffnet hat, ist es schon ziemlich gut besucht.

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