Bilder: Lichtgut / Willikonsky

Er war der Beste, ganz einfach. Über viele Jahre krönte Harald Wohlfahrt die deutsche Kochlandschaft mit den Top-Bewertungen. 25 Jahre lang hielt er mit seiner Schwarzwaldstube in Baiersbronn drei Sterne. Nun plant der Spitzenkoch für 2019 eine kulinarische Produktlinie – und feiert in Stuttgart  am 15. November Palazzo-Premiere.

StuttgartVom Wohlfahrt-Pesto bis zur Wohlfahrt-Marmelade – bald soll eine neue Marke in die Supermärkte kommen. „Wir starten im April 2019“, sagte Spitzenkoch Harald Wohlfahrt am Freitag unserer Zeitung. Der 62-Jährige, der von 1993 bis 2017 mit der Traube Tonbach 25-mal hinterein­ander je drei Michelin-Sterne geholt hat, wird seine kulinarische Produktlinie über die vor allem in Baden niedergelassenen Scheck-in-Märkte von Adolf Scheck, dem früheren Edeka-Aufsichtsratsvorsitzenden, vertreiben. Aber auch ein Online-Sortiment soll es geben. Der Spitzenkoch hat die Wohlfahrt Fine Dining GmbH gegründet, die man auch für Catering und Galas buchen kann.

Harald Wohlfart mit dem Dessert Pannacotta auf exotischem Fruchtcocktail

Zunächst einmal bereitet sich der Mann, der über Jahrzehnte hochdekoriert als bester Koch Deutschlands gefeiert worden ist, auf die 15. Spielzeit des Dinner-Zelts Palazzo auf dem Wasen vor. Premiere der Show „Unikate“ ist am 15. November – zeitgleich mit der Premiere des Musicals „Anastasia“. Palazzo-Sprecher Bernd Zerbin bedauert, dass man den Termin nicht verschieben konnte. Mit nun sieben Standorten (neu ist Amsterdam) sei die künstlerische Leitung des Gourmet- und Varieté-Spektakels zeitlich nicht so flexibel. Ein entspannter Wohlfahrt stellte im Restaurant Hegel eins im Linden-Museum das Vier-Gänge-Menü für sein 15. Gastspiel in Stuttgart vor (Fleisch-Hauptgang: Glasierte Keule von der Barbarie-Ente mit Rahmwirsing, Backpflaumen an Portweinsoße, vegetarisch: Buchweizennudeln mit Gewürztomaten, Artischocken, Oliventapenade und altem Balsamico).

Sein neues Leben, sagte er, genieße er sehr: „Wie dumm ich war, dass sich mein altes Leben über Jahrzehnte auf wenigen Quadratmetern in der Küche abgespielt hat.“ Michelin-Sterne spielten für ihn keine Rolle mehr. „Die wichtigsten Sterne sind meine Enkel“, betonte Wohlfahrt. Nach dem Zerwürfnis mit seinem einstigen Chef „wegen einer Vorsorgeuntersuchung“ sei er froh, nun endlich mehr Zeit für die Familie zu haben.

Langweilig wird es ihm nicht. Sein Sohn überredete ihn, bei Vox erstmals in einer Koch-Show im Fernsehen mitzuwirken. Damit könne er für seine neuen Produkte werben. „Leider hatte ich übersehen, dass ich am Tag der Aufzeichnung am Abend eine Gala hatte“, erzählt er, „wir mussten die Dreharbeiten für die Sendung auf den Vormittag vorziehen.“ Die Macher des Palazzos rechnen in der neuen Saison erneut mit einer Steigerung der Besucherzahlen bei stabil ­gebliebenen Eintrittspreisen. Der Anteil des vegetarischen Menüs nimmt von Jahr zu Jahr zu und liegt nun bei etwa zehn Prozent.

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