Bild: Lichtgut / Oliver Willikonsky

Aus einem Kulturmonat sind inzwischen sechs Wochen geworden: Beim Collegium Wirtemberg steht jedes Jahr im Winter die Kunst im Mittelpunkt. Weil die Wengerter finden, dass sie zur Stadt gehören wie die Industrie. Diesmal stellt Künstler Rolf Lorenz aus, mahlzeit.city hat mit ihm und Kellermeister Martin Kurrle gesprochen.

Herr Lorenz, Ihre Bilder hängen in der Kelter in Uhlbach. Was hat Ihre Kunst mit Wein zu tun?

Rolf Lorenz: Gar nichts. Aber ich trinke gerne Wein.

Und der Zusammenhang?

Lorenz: Es ist ein schöner Ort, die Bilder passen hier wunderbar rein. Aber ich frage mich natürlich: Bin ich nur Deko? Nein, die Leute sollen sich damit beschäftigen.

Martin Kurrle: Und genau das wollen wir auch!

Die Bilder spiegeln ernste Themen wider?

Lorenz: Ja, ich will aufrütteln und male Bilder zur Umweltproblematik.

Sie verbinden Ihre Bilder auch oft mit Texten, wie hier?

Lorenz: Genau, damit will ich auf das Pro­blem der Erderwärmung hinweisen. Wie viel Prozent von den Niederlanden liegt unter dem Meeresspiegel? Viel. Und deswegen trägt das Bild den Titel: „Und dann beschlossen sie, das Wasser zu fesseln.“ Text und Bild in Kombination eröffnen eine ­neue Dimension.

Wie sind Sie zu dieser Art Kunst gekommen?

Lorenz: Im Prinzip habe ich mich immer künstlerisch ausgedrückt. Als Film­produzent habe ich ja auch nicht nur Storyboards skizziert. 2008 mit der Finanzkrise, wir haben zwei Jahre lang vom Dreck auf dem Boden gelebt, war dann eher Überlebenskunst gefragt. Danach kam bei mir der Burn-out.

 

Das Malen hat geholfen?

Lorenz: Definitiv. Da spielt letztendlich auch das Gefühl mit, das man hat, wenn anderen etwas gefällt. Dadurch kriegt die Kunst eine neue, schöne Dimension. Man ist wieder etwas wert.

Und Sie, Herr Kurrle, haben keine Angst, Ihre Kundschaft zu erschrecken?

Martin Kurrle: Nein, auf keinen Fall. Wir sitzen mit unserem Anbaugebiet am Rande einer Großstadt, wir gehören einfach dazu. Mit allen Facetten, mit allen Problemen. Deshalb passt diese Kunst sehr wohl.

Wein und Kultur passen also doch ziemlich gut zusammen?

Martin Kurrle: Wein IST Kultur. Wir verstehen unseren Wein schon immer als Kulturgut und wollen mit unserem Kulturmonat auch genau darauf hinweisen. Die Kunst ist nicht das Brot des Lebens, sondern der Wein des Lebens.

Und am Ende ist es aber auch eine Win-win-Situation, beide verdienen ein ­bisschen was?

Martin Kurrle: Nein, das stimmt nicht. Das war schon immer unser Ansatz, dass wir beim Kulturmonat keinerlei monetären Hintergedanken haben. Diese Veranstaltung hat mit Kommerz nichts zu tun.

Rolf Lorenz: Ich habe hier bisher nicht mal eine Preisliste – aber sie kommt. Mir geht’s zunächst darum, dass die Menschen die Bilder sehen, darüber nachdenken und danach etwas in ihrem Verhalten verändern.

Das klingt sehr selbstlos.

Rolf Lorenz: Darum geht es nicht, und das ist es am Ende ja auch nicht! Aber eine entsprechende Grundhaltung auf beiden Seiten hat hier unter anderem auch dazu geführt, dass ich den Leuten hier uneingeschränkt vertraue. Ein schönes Gefühl – für beide.

Darauf darf man bei aller Ernsthaftigkeit der Kunst auch ein Glas Wein trinken?

Martin Kurrle: Auf jeden Fall. Denn was uns auch zusammengebracht hat, ist, dass der Rolf ein großer Weinkenner ist. Das hat man selten.

Das Programm

Der Kulturmonat beim Collegium geht in diesem Jahr noch bis zum 29. März. Die Ausstellung „beSINNen“ ist während der normalen Öffnungszeiten in der Kelter in Uhlbach zu sehen.

Der Benefiz

Am Donnerstag, 14. März, findet im Gewölbekeller in Uhlbach eine Weinversteigerung statt. Die Ersteigerungserlöse werden zwischen Einreicher und der Nachsorgeklinik Tannheim der Deutschen Kinderkrebsnachsorge geteilt. Anmeldung und Spenden (hochwertiger Weine) gehen an martin.kurrle@collegium-wirtemberg.de

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