Bilder: Lichtgut / Max Kovalenko

Das H’ugo’s mit den zwei lustigen Apostrophen ist Geschichte, der Nachfolger steht in den Startlöchern. René Richter möchte in Kürze das Richters eröffnen, nach eigener Aussage der kommende Hotspot in der Stadt. 

Seit Mai lebt René Richter in Stuttgart. In Heumaden hat der allein erziehende Vater mit seiner jüngeren Tochter eine Wohnung gefunden. Und auch wenn er bei sich noch „geographische Unsicherheiten“ feststellt, fühle er sich wohl in der Stadt, sagt der 47-Jährige. Dazu dürfte seine Dauerbaustelle in der City freilich eher weniger beitragen.

Wie berichtet ist Richter der neue Pächter des ehemaligen Party-Italieners H’ugo’s in der Friedrichstraße –  sein Vorgänger Romulo Kuranyi musste mittlerweile Insolvenz anmelden. Hintergrund ist ein Streit zwischen Kuranyi und dem Eigentümer des Gebäudes, der City Gate Stuttgart GmbH, darüber, wer für einen Wasserschaden finanziell verantwortlich ist. Richter ist sozusagen das letzte Glied in der Kette: Aufgrund des spät entdeckten Desasters musste der gesamte Boden raus gerissen, das Lokal komplett renoviert und die Neueröffnung des Richters – ohne Apostroph  –  immer wieder verschoben werden. Zurzeit hat die Baustelle rund anderthalb Monate Verzug.

Kuranyis Nachfolger ist sauer, denn er hat bereits zum 1. August knapp 40 Mitarbeiter eingestellt. Sie werden zurzeit geschult, was die René Richter Gastronomie GmbH & Co übernimmt, die er gemeinsam mit seinen Gesellschaftern gegründet hat. Parallel dazu muss er den Umbau des Restaurants nach seinen Vorstellungen und die Neumöblierung vorantreiben. Immerhin: Die Baustelle ist inzwischen weitgehend in seiner Hand. Sein Ziel für den Start des Richters formuliert er vorsichtig: Spätestens Ende des Jahres soll es soweit sein.

Der neue Pächter René Richter baut das ehemalige H’ugo`s komplett um

Und was erwartet die Stuttgarter dann genau? Außer der charakteristischen, gefalteten Decke werden die Gäste des H’ugo’s den großen Raum kaum mehr wiedererkennen. Statt Tisch an Tisch werden sie auf kopfhohen Bänken sitzen, die einzelne Nischen bilden. Es gibt ein Séparée und das so genannte Fine Dining Konzept mit feiner Tischwäsche und edlem Geschirr wie Besteck wird sich auch auf der Terrasse fortsetzen.

Damit setzt Richter fort, wofür er auf Sylt bekannt war. 24 Jahre lang hat der gebürtige Ostdeutsche auf der Insel gearbeitet. Sein Restaurant Kamp’ner Pesel im gleichnamigen Nobelort hat er im Januar geschlossen. Aus dem Norden bringt er einige kulinarische Spezialitäten mit, etwa den Pannfisch oder eigene Erfolgskreationen wie die „gewühlte Blutwurst – aber bitte lebend!“, die er einst auf Mallorca entdeckt hat.

Bitte was? Seine Karte, erklärt Richter, solle den Gast dazu animieren, nachzufragen. Der Gast sei bei ihm „das Maß aller Dinge“, meint der Gastronom. Er denkt dabei an das Amerika der goldenen 20er Jahre (oder zumindest an die Bücher oder Filme darüber), wo der Gast mit vollendeter Höflichkeit und persönlicher Ansprache bedacht wurde. „Guten Abend Herr Sowieso, wir haben für Sie Ihren Lieblingstisch hinten rechts reserviert…“

Richters Anspruch ist so hoch wie sein Enthusiasmus groß ist. „Kurz vor dem Stern“ ist sein gastronomisches Konzept angesiedelt. Das gilt sowohl für die Qualität der Zutaten seiner Speisen als auch für den kundigen Service – aber dabei soll die Atmosphäre locker bleiben. „Ich bin ein Produkt-Junkie“, sagt der gelernte Koch und Restaurantfachmann, der im Richters als Gastgeber „an der Front“ stehen wird. Thema Fleisch: Er behauptet von sich, dass auf seiner Karte Sorten stehen, wie er sie bei seinen kulinarischen Streifzügen durch Stuttgart so bisher nicht gefunden habe. Etwa das Txogitxu-Rinderfilet, dessen Vorzüge er und sein Team den Gästen ausführlich erklären wollen. Thema Fisch: Hier soll es, auch nach Sylter Vorbild, für mehrere Personen ganze Fische wie etwa einen Steinbutt aus Wildfang geben, die am Tisch filetiert werden. Das freilich dürfte kein billiges Vergnügen werden. Gute Qualität habe nun mal ihren Preis, meint Richter.

„Wir wollen etwas Besonderes sein. Wir sind sicher kein Lokal, wo man jeden Tag hingeht“, sagt der Neuling von der Insel. Freilich brauche aber auch das Richters jeden Tag Gäste. Daher soll es auch einfache Gerichte wie Spaghetti Carbonara geben. Und, wer weiß, vielleicht manchmal auch einen Zwiebelrostbraten, wenngleich auf Richter-Art.

Dazu darf es dann auch ein Lemberger sein. Viele Weine auf der rund 400 Postionen umfassenden Karte stammen von Wengertern aus der Region. Auch ein hiesiger Bäcker ist gefunden. Richters Credo lautet:  „Wir wollen Flagge zeigen, dass wir hier sind. Ich möchte hier in der Region Mitglied werden.“

Zur Person

Der Macher – René Richter, Jahrgang 1970, ist in Usedom in Mecklenburg-Vorpommern geboren, wo er auch seine Lehre zum Restaurantfachmann und Koch gemacht hat. Über einen Umweg nach Bielefeld ist er 1994 nach Sylt gekommen. Das Kamp’ner Pesel (Pesel steht für gute Stube, Wohnzimmer) hat er 2011 eröffnet. Es war bis zur Schließung Anfang 2018 eines der angesagtesten Restaurants der gehobenen Klasse auf Sylt. Das Pesel wurde mit durchschnittlich 5 Sternen auf Facebook und Tripadvisor sowie 4,4 bei Google bewertet.

Die Investoren  –  Es handelt sich um eine Gruppe erfolgreicher Immobilienunternehmer der Region Stuttgart. Aus dieser Gruppe war der Waiblinger Harald Panzer (Gründer der Fellbacher Firma Wohninvest) selbst leidenschaftlicher Besucher des Kamp’ner Pesel und begeisterte befreundete Unternehmer für die Idee, René Richter als Top-Gastronom für Stuttgart zu gewinnen. Gemeinsam tüftelte man an einem Konzept, wie sich Ideen aus Sylt mit regionalen Einflüssen verbinden lassen.

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