Bild: factum / Granville

Der Stern strahlt nicht mehr! Die Gutsschenke am Monrepos in Ludwigsburg stellt ihr kulinarisches Konzept um – mal wieder: Auf der Karte stehen nun regionale Spezialitäten zu gefälligeren Preisen. Was mehr Gäste ansprechen soll, gefiel dem bisherigen Küchenchef gar nicht. Ben Benasr ist gegangen.

Wenn die Gutsschenke im Schlosshotel Monrepos an diesem Mittwoch die Sommerpause beendet, beginnt auch kulinarisch eine neue Zeit: Die Zeit, in der das Kochen nach Sternen keine Rolle mehr spielt. Gebratenen Rehrücken an fermentierten Navetten und Süßholzjus, Tonkabohnen-Parfait mit Nougat-Grenache und andere Exklusivitäten sind auf der neuen Karte nicht mehr zu finden. Und auch der bisherige Küchenchef Ben Benasr ist nicht mehr dabei. Benasr hat den ersten Stern für die Gutsschenke erkocht. Dass eines Tages ein weiterer folgen könnte, schien damals, im Herbst 2016 durchaus vorstellbar.

Doch inzwischen hat sich der Plan geändert. Die Gutsschenke soll zurück zu ihren Wurzeln. „Wir möchten die gut bürgerliche Küche intensivieren“, sagt Felix Sommerrock, der Direktor des Schlosshotels, zu dem das Restaurant gehört.

Sternekoch Ben Benasr mit einer Freiland Poulardenbrust , Spargel Cassoulé und Orecchiette Pasta

Einen ersten Richtungswechsel hatte die Gutsschenke bereits im vergangenen Frühjahr vorgenommen, indem sie wieder traditionelle Speisen auf ihre Karte setzte. Neben Gerichten aus der Sterneküche – Fine Dining genannt – wurden seither auch Rostbraten, Rinderrouladen oder Schweinebäckchen serviert. Man wolle auch jene Gäste abholen, die an regionaler Küche interessiert sind, erklärte damals die Direktion das zweigleisige Konzept – das nun zu einem eingleisigen wird.

Die traditionellen Gerichte seien dermaßen unerwartet gut angekommen, dass man sich nun auf diesen Bereich konzentrieren werde, sagt Felix Sommerrock, der das Schlosshotel seit acht Monaten leitet – und in dieser Zeit unter anderem gelernt hat, dass der Stern auf viele konventionelle Gäste eher abschreckend wirkt. Und so viele Gourmets wiederum, dass sich die Fortführung lohnen würde, hat das zweigleisige Konzept nicht angezogen. Von einem gescheiterten Konzept will Sommerrock nicht sprechen. Es sei vielmehr so, dass man eben sich eben danach richte, was die Gäste wünschen.

Und die bekommen nun eine Karte, auf der es außer den regionalen Spezialitäten wie Käsespätzle (mit Käse aus einer hiesigen Bio-Käserei) oder paniertes Kalbsschnitzel (von einem Demeter-Bauern aus dem Kreis) auch eine größere Auswahl gibt. Zum Beispiel drei vegetarische Gerichte oder vier Desserts – und überdies mehr Platz. Denn die 20 dezent separierten Plätze, die bisher dem Fine Dining vorbehalten waren, stehen nun auch den Genießern der gut bürgerlichen Küche zur Verfügung, deren teuerstes Gericht – Hohenloher Rinderfilet in Pfefferkruste – 29 Euro kostet. „Wir sind sehr positiv gestimmt“, sagt Felix Sommerrock, dem bereits der auslaufende Sommer enorm gute Laune beschert hat.

 

Sautiertes Rehfilet, Navetten Pfifferlinge und Lakritzjus

In diesem Sommer nämlich war zum ersten Mal seit langer Zeit der zur Gutsschenke gehörende Biergarten nicht mehr nur sporadisch, sondern dauerhaft geöffnet – und bestens besucht. „Wir sind sehr, sehr happy“, sagt Sommerrock, der mit diesem – gewissermaßen niederschwelligen – Angebot all jene anziehen will, die sich ohnehin auf der Domäne Monrepos aufhalten: Fischer, Reiter, Golfer, Bootlesfahrer, Spaziergänger. „Schade, dass der Sommer nun zu Ende geht“, sagt Sommerrock, der es bei aller Freude schade findet, dass Ben Benasr die Gutsschenke verlassen hat.

Doch der bisherige Küchenchef will weiter auf Sterneniveau kochen und hat vor, das künftig in Frankreich zu tun, sagt der Hoteldirektor. Der neue Küchenchef heißt Tobias Langer. Er war bisher für die Hotelgastronomie sowie das Catering zuständig und verantwortet nun zusätzlich die Gutsschenke. Langer, betont sein Chef, habe bereits in Sternerestaurants gearbeitet, arbeite also auch auf gehobenem Niveau.

Das Schlosshotel wird von der Famile Finkbeiner betrieben, die es mit der Traube Tonbach im Nordschwarzwald zu Ruhm und Ehre gebracht hat. Finkbeiners haben das Hotel im Jahr 2014 vom Haus Württemberg gepachtet, dem das Anwesen Domäne Monrepos gehört.

Gutsschenke am Schloss Monrepos
Monrepos 22
71634 Ludwigsburg
Telefon 07141 / 3020

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