Markus Escher Ginstr

Bild: Jan Potente

Er hat den Stuttgarter Fernsehturm im Logo – doch gebrannt wird der Ginstr im Rems-Murr-Kreis: Von zwei jungen Männern, für die das Ginbrennen ein Hobby ist. Dass ihr Gin als einer der besten der Welt ausgezeichnet wird, hat sie selbst überrascht.

Ordentlich aufgereiht stehen sie auf dem Holztisch, die Zutaten für den angeblich besten Gin der Welt: Lavendel, Süßholz, Koriander, Angelikawurzel und viele weitere Gewürze in unterschiedlich großen Gläsern sowie eine große Schüssel mit Zitronen, Orangen und Limetten. Markus Escher nimmt eines der Gläser in die Hand. „Darin ist Andaliman, wilder Pfeffer, der nicht kultiviert werden kann“, erklärt der 27-Jährige.

GINSTR – Stuttgart Dry Gin – ist seine Kreation und die seines Kollegen und Kumpels Alexander Franke. Vor rund vier Jahren lernte Escher Franke kennen, als dieser seinen Bruder interviewte, der als Winzer ausgezeichnet wurde. „Damals haben wir festgestellt, dass wir beide die Leidenschaft für Gin teilen – Alex hat eine Ginsammlung von rund 180 Sorten“, sagt Escher. Die beiden Männer taten sich zusammen, um „den perfekten Gin zu machen“ – in ihrer Freizeit und am Wochenende. Denn hauptberuflich ist Alexander Franke Moderator. Markus Escher studiert Betriebswirtschaftslehre für kleine und mittlere Unternehmen an der Hochschule Aalen und unterstützt den Familienbetrieb seiner Eltern, das Weingut Escher in Schwaikheim.

Dort brennen er und Franke auch den Ginstr – mit dem Brennkessel, den Eschers Großvater vor 23 Jahren angeschafft hat, um Obstbrände herzustellen. „Der Kessel heißt Otto, nach meinem Opa, von dem ich ihn geerbt habe“, erzählt der 27-Jährige. An der Universität Hohenheim machte er einen Brennlehrgang, dann kauften er und Franke unzählige Kräuter in der Stuttgarter Markthalle und wählten die aus, die sie für ihren Gin am passendsten fanden. Zwei Jahre lang haben sie am Rezept gefeilt.

Nun besteht der Ginstr aus insgesamt 46 Kräutern, so genannten Botanicals, die alle von einem Stand in der Stuttgarter Markthalle bezogen werden. Die obligatorischen Wachholderbeeren werden im Weinberg der Familie Escher in Korb angebaut. „Wir wollten etwas Fruchtiges schaffen, etwas, das man gerne trinkt“, sagt Markus Escher, der viel Wert auf die floralen Noten der Spirituose legt. Deshalb sind auch frische Zitrusfrüchte Teil des Rezepts, dessen genaue Zusammensetzung geheim ist. Ungefähr eine Woche dauert die Herstellung einer neuen Charge, die immer – in Anlehnung an die Stuttgarter Vorwahl – 711 Flaschen umfasst. Bei der VfB-Edition, einem offiziellen Lizenzprodukt für den Stuttgarter Fußballclub, sind es 1893 Flaschen, passend zum Gründungsjahr des Vereins.

Markus Escher nimmt sich eine der Zitronen, schält sie und schneidet sie in Scheiben. Sofort duftet es in der kleinen Brennerei nach Zitrone. „So lösen sich die ätherischen Öle heraus. Für die ganze Schüssel brauche ich ungefähr eine halbe Stunde“, sagt der 27-Jährige. Die Herstellung des Ginstr ist Handarbeit. Sind sämtliche Gewürze abgewogen und mit den Zitrusfrüchten vermischt, erfolgt die so genannte Mazeration: Die Mischung wird für einige Zeit in Agraralkohol eingelegt, der aus Weizen gebrannt wurde. Ziel der Mazeration ist es, dass der Alkohol die Aromen aufnimmt.

Anschließend kommt das Gemisch in den Brennkessel, der mit Rebholz aus dem Weinberg befeuert wird. Was am Ende der Destillation als klare Flüssigkeit aus der Leitung fließt, ist Gin mit einem Alkoholgehalt von mehr als 75 Prozent. „Den machen wir trinkbar, indem wir Cannstatter Mineralwasser zusetzen – so erreicht er einen Alkoholgehalt von 44 Prozent“, erklärt Escher. Dann wird der Ginstr noch gefiltert und schließlich in Flaschen abgefüllt. „Die Etiketten beschriften wir von Hand. Statt einer Chargennummer schreiben wir Stuttgarter Stadtteile darauf.“

Damit ein Gin gut wird, müssen laut Markus Escher vor allem die Grundbestandteile hochwertig sein. Beim Ginstr ist das offenbar gelungen: Die International Wine & Spirit Company (IWSC) hat die Spirituose jüngst mit der Gin & Tonic Trophy 2018 sowie einer Goldmedaille in der Kategorie Gin & Tonic ausgezeichnet. „Nie hätten wir das gedacht – wir haben uns riesig über diese Auszeichnung gefreut“, sagt der Student. Seine Pläne für die Zukunft des GINSTR sind klar: „Wir wollen uns selbst treu bleiben, die hohe Produktqualität halten und weiterhin selbst im Schwaikheimer Weingut destillieren.“ Otto bleibt also im Einsatz. „Wir machen das hier, weil es uns Spaß macht“, betont Markus Escher.

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