(c) Bilder: Lichtgut / Christoph Schmidt

Der Charme der italienischen Eckkneipe verzaubert unseren Restauranttester. Der Neustart des ehemaligen Lokals Tafelberg an schwieriger Location ist gelungen: Ein Italiener überzeugt mit ambitionierter Hausmannskost statt mit Pizza. Das Grundehrliche überzeugt.

Dass es eine Herausforderung ist, dieses Lokal zu betreiben, ist offensichtlich: Der Verkehr auf der Hohenheimer Straße rauscht beständig vorbei, an Tische im Freien ist nicht einmal zu denken. Das ­Tafelberg, wie das Lokal früher hieß, lief dennoch hervorragend, die Nachfolger erlitten unter gleichem Namen mit gehobenerem Anspruch dann Schiffbruch. Zum erneuten Neustart gab es nun einen neuen ­Namen: Obwohl im herrlichen ­Sommer die Tische im Freien natürlich ­fehlen, ist das Botti, was übersetzt Fässer heißt (die auch vor dem Lokal stehen), gut besucht. Chef Rodolfo Trapuzzano, der das italienische Restaurant zusammen mit ­Sade Kiskanc betreibt, ist mit dem Einstand auch „sehr zufrieden“.

Rodolfo Trapuzzano und Sade Kiskanc

Diese positive Entwicklung dürfte wohl mehrere Gründe haben. Zum einen den besonderen Charme des Botti. Am heißen Abend des Testbesuchs ein kühles Bier als Aperitif? Ein Peroni? Nein, besser ein regionales Bier. Leider ist der Zapfhahn kaputt. Dann eben ein Hefeweizen? Ist aus. Also doch ein ­Peroni, serviert mit einem besonders freundlichen Lächeln. Grund zwei: das Konzept mit der italienischen Küche, in der bewusst auf die Pizza verzichtet wird. Hausmannskost wird im Botti modern interpretiert. Und die Karte ist anders als bei vielen Italienern ausgesprochen übersichtlich. Grund drei: Rodolfo Trapuzzano kocht seine Gerichte mit Ambitionen, aber vor allem mit Herz.

Als Vorspeise gibt es zum Beispiel eine Burrata (8 Euro), die sommerlich-frisch schmeckt. Empfehlenswert ist auch das Thunfisch-Tatar (14 Euro), bei dem der rohe Fisch mit Früchten auf den Teller kommt. Er mag nicht die allerfeinste Sashimi-Qualität wie in Sternelokalen haben, aber das Tatar ist definitiv ein kreativer Einstieg für ein Restaurant dieser Art.

Bei den Hauptspeisen überzeugt vor ­allem das Ragù alla Genovese (12 Euro). Die übergroßen, handwerklich hergestellten Nudeln sind auf den Punkt gegart, die Soße mit den vielen Zwiebeln darin und dem zarten Kalbfleisch hat einen derart auf die Zutaten reduzierten Geschmack – einfach herrlich! Vermutlich köchelte alles drei Stunden lang auf dem Herd, wie man sich das in einer Küche in Neapel vorstellt. Der gegrillte Polpo mit Polenta und Gemüse
(19 Euro) taugt gut als optischer Höhepunkt, die Beilagen sind passend, der Arm des Tintenfischs entpuppt sich allerdings als ziemlich bissfest – zum großen Bedauern von Rodolfo Trapuzzano.

Als Nachtisch gibt’s mittags meist einen Kuchen (3 Euro), abends wechselnde saisonale Desserts wie derzeit frische Früchte mit Zitronensorbet und ­ Wassermelonensaft (7 Euro). Die Weinkarte ist ebenso übersichtlich, der empfohlene Bardolino (4,50 Euro) oder die weiße Cuvée von Feudi di San Gregorio passen perfekt zu den ­Ambitionen des Kochs. Das Peroni ­ hat ebenfalls gut erfrischt.

Botti
Dobelstraße 2
70184 Stuttgart-Mitte
Telefon 07 11 / 25 51 65 88
 Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11.30 bis 14.30 Uhr und 18 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag von 18 bis 24 Uhr; Montag ist Ruhetag

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