Bilder: Piechowski / Ulrich

Zur Feier des Tages gab’s eine spontane Party mit Schweinebauch vom Brunnenwirt: Nach sechsmonatigem Komplettumbau hat das Lausterer seit Freitag wieder geöffnet – und heißt nun Taos Weinbar by Lausterer. Der neue Eichentisch soll die Bar im Herzen der Stadt wieder zum Treffpunkt machen. 

Der Name geht noch holprig über die Lippen. Englisch und Deutsch purzeln munter durcheinander in der Taos Weinbar by Lausterer. Wie dem auch sei, ob Taos oder Lausterer: Das von vielen Stuttgartern einst heiß geliebte Bistro in der Bärenstraße hat seit Freitagnachmittag wieder geöffnet. Sechs Monate hat der neue Betreiber Alexander Dohnt das Kleinod im Schatten der Markthalle renoviert. Der 44-Jährige, der im Alter von 25 das Ciba Mato am Wilhelmsplatz eröffnet und vor rund acht Jahren verlassen hat, freut sich, wieder ein Lokal in Stuttgart zu haben. „Ich liebe die Breuninger-Gegend. Das ist vertrautes Terrain seit meiner Jugend.“

Am Donnerstagabend stieß er mit dem neuen alten Küchenteam und einigen Freunden wie etwa dem Schauspieler Wilhelm Schneck auf die soeben unterschriebene Gaststättenerlaubnis an. Das Essen dazu kam aus einer weiteren Stuttgarter Institution: Schweinebauch und Curry spezial vom Brunnenwirt. Spontaner Gast: Helmut Schweimler, Hotel-Erbauer, Hotelier am Schluchsee, Konsul der Republik Kap Verde in Stuttgart und einst Chef im Lausterer. Von 2003 an führte Schweimler hier die Regie – zehn Jahre lang und damit am längsten von allen Pächtern.

Michelle Dohnt mit Helmut Schweimler

Das Anfang der 80er eröffnete Bistro musste von Grund auf saniert werden, angefangen von den Steckdosen bis hin zur Abluftanlage, die mit einem riesigen Kran vom Marktplatz aus aufs Dach gehievt wurde. „Der Tradition bleiben wir erhalten, wir sind immer noch die Alten“, war das Motto bei der Renovierung. Trotzdem ist vieles ganz neu geworden – der Premierengast Schweimler war vom Ergebnis sehr angetan. „Man merkt die Leidenschaft, die hier dahintersteckt. Alles ist sehr edel, man kommt rein und fühlt sich wohl.“

Die Blechschilder, die der erste Patron Jürgen „Jockel“ Lausterer zusammengesammelt hat, gibt es noch. Aber sie tapezieren nicht mehr sämtliche Wände und sogar die Decke, sondern ausgewählte Stücke sind einzeln auf der dunkelgrauen Holzvertäfelung arrangiert. Das hat Stil und gibt dem coolen Ambiente die heimelige Note. Die Bahnhofsuhr ist Geschichte. Dafür fungiert der neun Meter lange Tisch aus einer einzigen bayerischen Eiche als neuer Hingucker. Er ist ebenso höhenverstellbar wie die Lederstühle. Hier können die Gäste mittags gemütlich tafeln oder sich abends im Stehen auf einen Drink treffen. Die Küche ist jetzt komplett in den ersten Stock gezogen, so dass hinten im Gastraum noch Platz für eine Lounge ist.

„Ein bisschen Taos wollten wir schon nach Stuttgart bringen“, sagt Dohnts Frau Michelle. Damit meint sie die 2013 eröffnete kosmopolitsche Taos Skybar über den Dächern Schorndorfs – in Stuttgart wollte die Verwaltung nirgends eine haben . . . Jetzt eben Lausterer „reloaded“: Zur Freude der Stammgäste bleibt das legendäre Fleischküchle mit Kartoffelsalat ebenso auf der Karte wie die hausgemachten Maultaschen. Ein weiterer Garant für Kontinuität ist Monika Hess, die gute Seele des Ladens. „Sie kennt jeden und lebt für dieses Lokal“, schwärmte Schweimler.

Ausgewählte Schilder lässt Alexander Dohnt hängen

Seinem Nachnachfolger – Schweimler hatte im Frühjahr 2013 an Henni Stamer übergeben – wünscht er „wirklich alles Gute“. Der Umbau habe sowohl vom Wirt als auch von der Brauerei als Verpächterin (es ist Dinkelacker-Schwabenbräu) einiges an Mut erfordert. Nun gelte es, die Tradition mit dem neuen Gesicht zu verbinden.

Dafür steht vor allem der Gastgeber. Dohnt will die schwäbische Geschichte des Lokals und seine aus Schorndorf und von der Taos Lodge auf dem Cannstatter Wasen bekannte Liebe zum kulinarischen Österreich verbinden. So gibt es eben auch original Wiener Schnitzel und Topfenschaum auf der Karte und neben dem Pils den Grünen Veltliner aus der Großflasche. Zwei junge Sommeliers sind an Bord, 350 Weine stehen auf der Karte. Das neue Lausterer hat jeden Tag von mittags bis spät am Abend geöffnet und will Anlaufstelle sein für Stadtbummler ebenso wie für Theaterbesucher.

Übrigens hatte das Lausterer in den besten Zeiten einen Ableger in der Torstraße. Die Kollegin unserer Zeitung, die damals das neue Lokal getestet hat, war vom Essen zwar angetan, von den Gästen im Stammsitz in der Bärenstraße aber offenkundig eher nicht. So schrieb sie 1990 über die „fidele Stammkundschaft aus solariengebräunten Platzhirschen, kettchentragenden Porsche-Fahrern und ebenso stark geschminkter wie beäugter Weiblichkeit“.

Sie waren wild, die 80er.

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