Bilder: Corinna Pehar

Die wichtigste Zutat in der Küche steht für Claudia Pagnutti eindeutig fest: Liebe. Kochen geht am besten mit viel Liebe. Um dies zu vermitteln hat Claudia Pagnutti jetzt in der Schurwaldstraße im Stuttgarter Osten eine Kochschule eröffnet und bietet wöchentlich Menüabende an

Erste Aufgabe: Die Orangenschale mit einem Zestenreißer abziehen. Mit einem was? Claudia Pagnutti lacht als sie erklärt, was es mit dem kleinen Küchenhelfer auf sich hat: „Damit bekommt man die kleine Streifen von der Schale ab.“ Sie setzt an und zieht – es duftet nach Orange. Diese Zesten sind eine wichtige Zutat für das heutige Dessert: eine französische Tarte Tatin mit Orangen. Auch beim Hauptgericht läuft einem gleich das Wasser im Mund zusammen: Selbstgemachte Spinatknödel mit zerlassender Butter und Parmesan, dazu ein frischer Feldsalat.

Dann wird alles parallel zubereitet. Auf dem Herd kocht das Wasser für die Knödel. Diese wurden aus kurz blanchiertem und gehacktem Spinat, Frischkäse, Quark und Bergkäse mit ein bisschen Mehl, Salz, Pfeffer und Muskat geformt. „Am besten klappt es mit nassen Hände“, so die Empfehlung der 54-Jährigen. Während sie die kleinen Kugeln behutsam ins Wasser gleiten lässt, verrät sie einen weiteren Kniff: „Das Wasser darf nicht mehr kochen, sonst zerfallen die Knödel.“ Ihr weitaus wichtigster Tipp ist schnell erklärt: „Man muss mit Liebe kochen!“ Schütte man nur hektisch alles zusammen, schmecke das Essen später einfach nicht so gut.

Man merkt schnell, dass ihr das Kochen im Blut liegt. Schon als Kind habe sie ihren Großeltern, die eine schwäbische Gaststätte hatten, über die Schulter geblickt. Ihre Familie väterlicherseits stammt aus Norditalien: „Da hab ich natürlich auch ganz viel gelernt, mein Papa hat zu Hause immer sehr viel gekocht.“ Als neugieriger Mensch habe sie allerdings eine Sache stets gestört: „Ich hab mich regelmäßig beschwert, dass sie immer nur dasselbe kochen“, sagt sie mit einem Lachen. Die Antwort von der schwäbischen Oma lautete stets: „Ach Du immer, Du bisch mir a Schälla!“

Einerseits verdankt die Kochschule also ihren Namen dem schwäbisch-charmanten Schimpfbegriff für ein freches Mädchen. Die Küchenschelle ist aber auch ein altes Heilkraut, eine Pflanze mit lila Blüte und bordeauxfarbener Knolle. Damit hat Claudia Pagnutti den Bogen gespannt zu ihrer Affinität zu Kräuter und Pflanzen. Denn zusätzlich zu ihrer Ausbildung als Übersetzerin für Italienische und Deutsch hat sie auch eine Fachschulung zur Ayurveda-Köchin gemacht. Sie hat sich zudem in der Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin weitergebildet und hat einen IHK-Lehrgangszertifikat zur Kräuterexpertin in der Tasche.

Der Zestenreißer im Einsatz

Die Idee zur Küchenschelle entstand, weil sie nicht nur gerne für andere, sondern auch am liebsten mit ihnen kocht. Zwei Jahre habe die in Esslingen lebende Köchin nach geeigneten Räumen suchen müssen. Fündig ist sie geworden im Stuttgarter Osten an der Schurwaldstraße 44, wo sich einst die Schurwaldgaststätte befand. Das Gasthaus das eineinhalb Jahre leer stand, hat sie bis auf die Möbel komplett renoviert und frisch gestrichen. Die Lampenschirme in den zwei Räumen passen in den Farben Bordeaux, Grün und Beige farblich zu ihrem Logo. Ihre neueste Errungenschaft ist ein altes schwäbisches Service aus weißen Tellern, Schalen und Schüsseln mit glänzendem Goldrand. „Das hab ich in einem Laden für Haushaltsauflösungen gefunden“, sagt sie mit einem Strahlen. Die geräumige Küche ist komplett neu und steht bereit für alle, die bei ihr in die Kochschule gehen wollen. „Die Gruppen sollen nicht größer sein als sechs bis acht Personen“, sagt Pagnutti, „so haben alle was davon und man tritt sich nicht auf die Füße.“

Alle Kochkurse sind themenbezogen: mal geht es um die Linse, mal um Involtini.Der nächste Kochkurs findet am 14. Februar, dem Valentinstag statt: „Das Thema ist passenderweise die sinnliche Ayurveda-Küche“, verrät die Kräuterexpertin. Denn nach den alten Schriften gebe es eine Vielzahl an Nahrungsmitteln, Gewürzen und Kräutern, die verjüngend, regenerativ und anregend wirken.

Weil die Räumlichkeiten in der Schurwaldstraße größer sind als sie ursprünglich plante, hat Claudia Pagnutti ihr Konzept kurzum um schwäbische und italienische Menüabende erweitert. So zaubert sie einmal die Woche fantasievoll abgestimmte Vier- oder Fünf-Gänge-Menüs passend zur Jahreszeit. Wer also lieber direkt an einen gedeckten Tisch sitzen möchte ohne vorher zu kochen, ist hier am besten aufgehoben. Mittlerweile liegen die Spinatknödel auf den Tellern – mit dem fein angemachten Feldsalat sind sie das perfekte Mittagessen. Auch die Orangentarte, deren Duft nun das ganze Lokal erfüllt, schmeckt wunderbar – und macht Lust auf mehr!

 

Kochschule

Am Donnerstag, 14. Februar, 18.30 bis 22 Uhr, findet der nächste Kurs „Sinnliche Ayurveda-Küche am Valentinstag“ statt. Gebühr: 58 Euro, Getränke und Lebensmittel inbegriffen.

Menüabende

Am Freitag, 15. Februar, 19 Uhr, werden die Gäste der Küchenschelle zum Thema „Wilder Schwabe“ bekocht. Der Preis pro Person liegt bei 63 Euro inklusive begleitender Weine, Espresso und Co. Eine Anmeldung ist jeweils bis zwei Tage vorher möglich. Kurzentschlossene dürfen auch gerne telefonisch unter 0152/26 82 98 88 nachfragen, ob noch Plätze frei sind. Mehr Informationen zu weiteren Terminen und Anmeldung auf:

 www.küchenschelle-stuttgart.de.

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