Bilder: bluetenkorn.de

Die Zeit ist reif für ein Umdenken: Die Initiative Blütenkorn geht neue, nachhaltige Wege bei der Produktion von hochwertigem, regionalem Mehl. Wir waren bei einem Vor-Ort-Besuch.

Die Gemeinde Mönsheim im Heckengäu, vor den Toren Pforzheims gelegen, schläft an diesem frühen Morgen noch. Doch in der Mönsheimer Mühle ist bereits Hochbetrieb. Die Walzenstühle rattern, während Getreide aus regionalem und nachhaltigem Anbau zu hochwertigem Mehl gemahlen wird. Wir sind zu Gast bei Markus Mönch. Er ist Müller, und er muss gut zu Fuß sein, wenn er seine Mühle betritt. Über vier Stockwerke reckt sich das Gebäude in den Himmel. Je höher man kommt, desto mehr nimmt der Geräuschpegel zu. Die Vibration spürt man in der Luft. Seit fünf Generationen betreibt die Familie Mönch die Mönsheimer Mühle, seit fünf Generationen steht Mönsheimer Mehl für hohe Qualität und Regionalität.

Das sieht auch Gerd Schonder so. Er hat gemeinsam mit zwölf weiteren landwirtschaftlichen Familienbetrieben die Betriebsgemeinschaft Neuhof gegründet. Vor zwei Jahren präsentierte er Markus Mönch das Projekt Blütenkorn. „Die Mönsheimer Mühle steht für Innovation und Dynamik. Die Mönchs trauen sich, andere Wege zu gehen.“ Das Projekt Blütenkorn eröffnet neue Pfade im Getreideanbau. Das Ergebnis: Blütenkorn, nachhaltiges Getreide und Mehl aus der Region. Schon der Name erklärt das Konzept: Blüten im Korn. Die Blühstreifen werden mitten in den Getreidefeldern angelegt und fungieren wie eine Insektenautobahn. Sie vernetzen die Lebensräume der bestäubenden Insekten.
Unter anderem haben Wildbienen einen begrenzten Flugradius. Sie finden hier, wie viele andere Insektenarten, eine attraktive Heimat und vielfältige Nahrungsquellen. Blütenkorn fördert die regionale Vernetzung und verbessert die Wertschöpfungskette lokaler Landwirte. Das Ergebnis: nachhaltig produzierte Lebensmittel mit regionalem Bezug, und jedes Jahr mehr Bienen.

Bereits im Frühjahr werden die Blühstreifen ausgesät. Ab Ende Mai stehen sie in voller Blüte und durchziehen das goldene Getreidemeer mit violetten, roten, blauen und gelben Blumenbahnen. „Es ist spannend, wie es summt und brummt. Man sieht, dass es etwas bringt“, sagt Markus Mönch. Dem stimmt Gerd Schonder zu „Es ist sehr erfüllend, wenn man sieht, wie von Jahr zu Jahr mehr Schmetterlinge und Wildbienen herumfliegen.“ Seine Vision, als er die Initiative Blütenkorn gründete, beschreibt Schonder so: „Überall spürt man, dass die Gesellschaft in Bewegung ist. Die Menschen denken viel nachhaltiger als vor einigen Jahren. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Wir wollten etwas Regionales machen.“ Die kurzen Wege in der Produktionskette seien ein großer Vorteil und gleichzeitig Kern des Blütenkorn-Konzepts. „Unsere Produkte sollen dort angebaut, vermahlen und verkauft werden, wo sie herkommen“, so Schonder. Bio sei nicht für jeden Betrieb umsetzbar. Deswegen habe sich Blütenkorn für einen dritten, nachhaltigen Weg entschieden.

Dieser zöge das Gute aus beiden Seiten – dem konventionellen und dem Bio-Anbau. Blütenkornfelder gibt es in Hohenlohe, im Kraichgau, im Strohgäu bei Ludwigsburg, in Pforzheim und in Zukunft auch in anderen Regionen Baden- Württembergs. Das nächste Feld im Umkreis der Mönsheimer Mühle ist bei Pforzheim.

Bevor das Getreide in der Mühle zu Mehl wird und in der Verpackung mit dem Blütenkornlogo in den Regalen der REWE Supermärkte im Südwesten steht, durchläuft es einige Stationen. Erster Schritt ist die Getreideannahme, der direkt in den wichtigsten Teil überführt: die Qualitätssicherung. Nach der Einlagerung in Silos muss die Getreideoberfläche intensiv gereinigt werden. Kein Steinchen oder Unkraut darf zurückbleiben, alles wird fein
säuberlich ausgesiebt. Erst danach geht das Korn in die Vermahlung. Sogenannte Sichter sieben das Mehl, bevor es im letzten Schritt verpackt wird. Anfang November war Verkaufsstart der Blütenkorn- Mehle bei
REWE im Südwesten.

„Den Umgang mit dem Lebensmitteleinzelhandel mussten wir erst lernen, das hatten wir noch nie gemacht“, meint Markus Mönch. „Aber menschlich passt es sehr gut. Zusammen mit Landwirten, Imkern, mir als Müller, unseren wissenschaftlichen Beratern und REWE arbeiten wir Hand in Hand.“

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