Bild: mahlzeit

Die mahlzeit-Weinkolumne mit einem Quartett – Kathrin Haasis, Harald Beck, Holger Gayer und Michael Weier diskutieren hier immer über einen Wein aus Württemberg, den Kenner ja bekanntlich trinken. Diesmal ist unsere Autorin in Südfrankreich auf einen Schwaben getroffen: Dieter Schmid hat das Château l’Escarderie übernommen. 

Warum fährt man ins Bordeaux? Als Liebhaber von guten Weinen und gutem Essen zum Beispiel. Zum Surfen und Segeln vielleicht, das Fahrradfahren bietet sich dort auch an, weil es so schön flach ist und es viel zu schauen gibt. Die Landschaft ist wunderschön – vom rauen Meer, den wilden Sandstränden, der Dune du Pilat über die Pinienwälder bis hin zu den Weinbergen und den Flusstälern von Gironde und Dordogne. Allein die Stadt Bordeaux ist an sich mehrere Reisen wert, bis man sich durch die acht Sterne-Restaurants gegessen hat. Drei Mal war ich wegen all dieser Gründe schon in der Gegend – und ich werde mit Sicherheit noch viel öfter wieder hinfahren.

Dieter Schmid ist einfach gleich dort geblieben. Als „Liebhaber guter Weine und guter Küche“ beschreibt sich der Ulmer auf seiner Webseite. Er windsurft, fährt Rad und Ski und er liebt die Natur. Bis auf das eine Hobby kann er alle anderen in seiner neuen Heimat gut ausüben: Der Biologe aus Ulm hat vor drei Jahren in Fronsac das Weingut Chateau L’Escarderie übernommen. Früher war der 67-Jährige als Biologe für verschiedene Forschungsinstitute und Universitäten tätig, mittlerweile hat er seine Aktien in den Weinbau gesteckt. Den ­Betrieb managen allerdings die Tochter Mélanie und ihr Mann Thomas Haguenin. Sie haben auf bio umgestellt, und gleich mit ihrem ersten Jahrgang wurden ihre Bemühungen mit einem Eintrag im aktuellen Guide Hachette gewürdigt. Passion heißt der Wein, eine Leidenschaft eben: Die Mischung aus Merlot und Cabernet Franc ist reich an reifen Früchten, sehr füllig und weich und wird durch ausgewogene Tannine abgestützt. Der Wein ist definitiv ein Grund, im Bordeaux hängen zu bleiben, wenn es der eigene ist, erst recht.

Das Urteil der Weinrunde

Holger Gayer: Generell bin ich ja ein Fan der Bordeaux-Mischung im Allgemeinen und des Cabernet Franc im Besonderen. Dieses Exemplar ist aber arg sanft, rund, gsälzig und im Abgang sogar süß. Dafür muss man nicht nach Frankreich fahren.

Michael Weier: Der Merlot dominiert hier die Mischung, das schmeckt man – und ich bin kein Merlot-Fan. Dennoch hat der Wein ordentliche Fruchtaromen, schmeckt nach Brombeere und leicht nach Johannisbeere, für einen Bordeaux recht rund.

Harald Beck: Für solch einen kräftig-fruchtigen Franzosen ist mir diese Mischung ­etwas zu süßlich-mild. Das geht schon fast ein wenig in Richtung breite Brombeermarmelade. Es fehlt einfach an Balance im zu merlotlastigen Verbund.

Passion 2015: 11,50 Euro, Weinhaus Schmid, Tübingen. Chateau L’Escarderie, 33240 Saint ­Germain de la Rivière, Frankreich, Tel. 00 33/61 36 17 66

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