Bilder: factum/Weise

Das nennt sich vermutlich betreutes Trinken! Der Trend beim Weintrinken geht zur privaten Verkostung mit Wettbewerbscharakter, wie unser Kolumnist Michael Weier festgestellt hat. Im Internet kann man bereits das komplette Tasting Set kaufen für die Blindprobe.

Gemütlich ein Glas Wein trinken war gestern. Der gemeine Weinliebhaber veranstaltet heute lieber eine ­private Challenge, wie das neudeutsch heißt, eine Blindprobe mit Rätselfaktor. In trauter Runde werden zum Beispiel acht Flaschen Wein geöffnet, diese mit Manschetten (oder Alufolie) unkenntlich gemacht und dann süffeln die ­Beteiligten und geben ihren Senf zum Inhalt ihrer Gläser ab.

Ich treffe mich gelegentlich mit ­meinen alten Handball-Kumpels – und wir machen das in unserer Männerrunde schon länger. Die Vortreffen zu sportlichen Veranstaltungen (die wir als ­Zuschauer besuchen) geraten zu einer Lehrstunde in Sachen Wein. Früher lief das so: Irgendwann gerät die Unterhaltung ins Stocken, dann folgt unvermeidlich: „Ond, was haltet ihr denn von der Entwicklung beim Vaueffbee?“

Mit dem neuen Trick ist es nicht mehr nötig, sich mit solch traurigen ­Kapiteln zu befassen; wir diskutieren, ob der dänische Wein besser schmeckt als der kubanische. Wobei das nicht schwer war, denn der kubanische war untrinkbar („Der schmeckt nach Klo­stein!“), Dänemark hingegen deutete durchaus sein Potenzial an.

Besser war der Abend mit den besten Lembergern aus der Region. Das war Spaß pur, wenngleich der Rätselfaktor gering blieb – dafür der Konsum ein bisschen höher war als sonst. Von der Weinbauschule in Weinsberg haben wir mal Nebbiolo, Malbec und andere Versuchssorten verkostet, was sich aus­gesprochen spannend gestaltete, viele Treffer haben wir aber nicht gelandet.

Das Konzept ist in jedem Fall unterhaltsam und empfiehlt sich zur Nachahmung. Den ersten Internethändler ­habe ich auch schon gesehen, der gleich die komplette Blindprobe vertickt. Die nennt sich dann Tasting-Set und die Flaschen stecken bereits in einer Hülle.

Eine feine Sache, die individuellere Methode ist aber besser. Rätseln mit Wein, zu dem es einen Bezug gibt, ergibt einfach mehr Gesprächsstoff. Fast so viel wie der Vaueffbee.

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