Bild: Gottfried Stoppel

Es war eine ganz spezielle Weinprobe für Kenner: Unter 34 Lemberger aus dem Remstal sind bei einer Blindverkostung mit Fachpublikum, unter anderem Dieter Blankenhorn von der Weinbauschule in Weinsberg (Foto oben links) und Historikerin Christine Krämer, in der Vinothek Traube in Strümpfelbach (Rems-Murr-Kreis) drei „ausländische“ Piraten geschmuggelt worden.

Welche Tropfen könnten sie sein, die Piraten, die da aus der weiten Welt der Lemberger unter 34 Weine dieser Sorte aus dem Remstal geschmuggelt worden sind? Diese Frage hat sich bei der vom Kreativkreis des Touristikvereins Remstalroute initiierten verdeckten Degustation in der Strümpfelbacher Vinothek Traube gestellt. „Die Welt der Lemberger“, lautete der Titel der Fortbildungsveranstaltung für fortgeschrittene Weinfreunde, bei der auch ein ganzes Podium mit Experten vertreten war, die das Thema Lemberger aus historischer, weinbautechnischer und aus der Vermarktungsperspektive beleuchtet haben.

Am Ende war es nur einer der Piraten, der vom interessierten Publikum einwandfrei entlarvt worden ist. Ein markant duftender spanischer Tropfen mit mächtigem Aroma und Gerbstoff, der so in Remstäler Gefilden schlicht nicht möglich wäre. Immerhin: Der Macher des Tropfens, so erfuhren die Piratenjäger vom Rudersberger Weinhändler Timo Möck, der ihn in die Parade der Remstal-Lemberger eingeschleust hatte, stammt aus dem Remstal.

„Heute ist alles Ausland, was nicht zum Remstal gehört“, hatte zunächst der Moderator Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Baden-Württemberg, den Abend eingeläutet. Über den Lemberger gibt es, so erläuterte die Weinhistorikerin Christine Krämer, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hierzulande keine schriftlichen Aufzeichnungen. Klar ist, dass die Sorte aus dem damaligen Österreich in den 1870er-Jahren nach Deutschland – speziell nach Württemberg – kam und dort von der Gesellschaft zur Verbesserung des Weines gezielt verteilt und beobachtet wurde. Der Name „Limberger“ verweist auf Limberg bei Maissau in Niederösterreich – eben dorthin, wo der Lemberger als Blaufränkisch in die Flasche kommt. Von dort aus wurden wohl auch die ersten „wurzelechten Limberger Blaufränkisch-Reben“ nach Deutschland transportiert und zunächst „Limberger“ genannt. Die anno 1873 in Wien gegründete internationale ampelographische Kommission legte dann aber 1875 europaweit für die Sorte den Namen Blaufränkisch fest.

Das ist, so erläuterte der Sommelier Dieter Schanz, auch heute noch der Name, unter dem man den Tropfen, der sich hervorragend für eine weitere Profilierung gerade für das Remstal eigne, in der weiteren Weinwelt kennt. „Bei uns ist der Lemberger eine Marke, andernorts kennt man nur den Blaufränkisch.“ Von den gut 1850 Hektar, auf denen in Deutschland Lemberger angebaut wird, ergänzte Dieter Blankenhorn von der Weinbauschule in Weinsberg, lägen 1700 in Württemberg.

Den einzigen Blaufränkisch aus dem Burgenland, den hat übrigens kein einziger der Lemberger-Fans entlarvt. Ein Piratenverdacht traf dagegen einen Tropfen der Fellbacher Weingärtner: Thomas Seibold, deren Vorstandsvorsitzender, stellte dazu trocken fest: „Der Verdacht ist ein gutes Zeichen für unseren Wein.“ Er selbst habe ihn gar nicht erkannt, bekannte er freimütig – „aber ich hab ihn gut bewertet.“

Auch interessant

Selgros eröffnet in Feuerbach neu

Selgros eröffnet in Feuerbach neu

Der Lebensmittel-Großhändler Selgros Cash & Carry hat seine Filiale in Feuerbach nach umfangreichen Umbauarbeiten jetzt wieder eröffnet. Am Samstag, 13....