Bilder: Christoph Schmidt

Es gibt neue Veranstaltungen, die es eigentlich schon längst hätte geben sollen. So wie dieser Tage die erste Stuttgarter Weinversteigerung – sie war zwar nicht wirklich die erste, aber eine ganz besondere. Große Namen wurden bei der Weinversteigerung des Collegiums Wirtemberg aufgerufen – und mindestens die Hälfte des Erlöses ist für einen guten Zweck.

Chateau Margaux, Chateau Lafite-Rothschild, Paolo Conterno, Dr. Bürklin-Wolf, Friedrich Becker: Das Collegium Wirtemberg, also die Rotenberger und Uhlbacher Weingärtner haben sich die großen Namen der Weinwelt ins Haus geholt – aber nur für einen Abend. Magnumflaschen, berühmte Lagen, spannende Jahrgänge und einige echte Raritäten sind da unter den Hammer gekommen. Der Erlös geht mindestens zur Hälfte an die Krebsnachsorgeklinik für Kinder in Tannheim.

Rund 30 Weinliebhaber haben sich am Donnerstag im Collegiumsgewölbe im Zentrum von Uhlbach getroffen zur „1. Stuttgarter Weinversteigerung“ im Rahmen des Kulturmonats 2019. An der Rückwand aufgebaut: lauter Preziosen in Flaschenform. Herz und Geldbeutel sollten die Bieter öffnen, das war die Aufgabe des Auktionators Rolf Lorenz, der den Zuschlag mit einem rosa Gummischwein aus dem Tierbedarf quasi ergrunzte. Der Mitbegründer der Werbeagentur Rot Lohre Lorenz, der heute freischaffender Künstler ist, löste sie mit Bravour. Der versierte Kenner gab Praxistipps: „Den müssen Sie dekantieren. Die Kracher aus Mallorca brauchen mindestens zwei Stunden Luft.“ Er kreierte Verwendungszwecke: „Der Eiswein hält ewig. Den können Sie zur Hochzeit präsentieren oder zur Scheidung.“ Und er schuf Anreize, etwa beim Rocche dell’Annunziata, einem Barolo Riserva von 2011: „Manchmal kann man Glück kaufen.“

Auktionator des Abends: n Rolf Lorenz

Das mehr oder minder große Glück hatten die Bieter privaten Weinsammlern und auch manchem großzügigen Händler oder Produzenten zu verdanken, die zahlreich eingeliefert hatten. Erst im Dezember war die Idee quasi auf den Markt gekommen. „Ich saß auf meinem Trecker im Wengert als der Rolf mich angerufen hat“, erzählte Martin Kurrle, Betriebsleiter beim Collegium Wirtemberg. Er war sofort von der Idee begeistert – sah er sie doch als Chance, auf die eigenen gereiften Weine etwa der Kult-Linie aufmerksam zu machen. Und zwar „auf subtile Art und Weise“.

Keine Scheu also vor großen Namen aus dem In- und Ausland aber auch das Selbstbewusstsein, mit dem eigenen Angebot aus dem Raritätenkeller dagegen zu halten. „Wir waren schon immer weiter als der Markt“, meint Kurrle. Zur Premiere hatte er (zum symbolischen Eintrittspreis von 25 Euro) einen exklusiven Kreis vorwiegend aus dem eigenen Kundenstamm versammelt, um das Format auszutesten. Auf lange Sicht soll die Weinversteigerung zur Tradition und deutlich ausgeweitet werden. Denn schon zur Premiere konnte sich die Liste der angestellten Weine sehen lassen. Sie umfasste rund 100 Positionen, darunter einige Lots, also Gebinde von fünf bis sieben Flaschen. Die Jahrgangsspanne reichte vom Liebhaberstück, einer Cuvée Grivault aus den „Hospices de Beaune“ von 1933 bis zum Marienglas Weissburgunder Großes Gewächs Magnum vom Fellbacher Weingut  Aldinger in der Magnum und von 2016. Die Hälfte des erzielten Preises dürfen die Einlieferer behalten (oder spenden), den Rest bekommt die Krebsnachsorgeklinik in Tannheim. Insgesamt kamen knapp 5300 Euro zusammen, das heißt, es gehen mindestens 2700 Euro an den guten Zweck – das Collegium Wirtemberg rechnet mit knapp 3000 Euro.

Der Uhlbacher Gewölbekeller

Los ging‘s bei der Hälfte des mittleren Einkaufswerts am Markt, gesteigert wurde in Zehnerschritten. Manch einer im Kellergewölbe machte ein Schnäppchen, denn der tatsächliche Preis (zumindest laut Internet) wurde selten erreicht. Außerdem sind viele der Flaschen gar nicht mehr im Laden zu kaufen. Dass am Ende alle Weine einen Abnehmer fanden, war besonders Jure Rübel zu verdanken. Der frühere Sommelier bei Martin Öxle in der Speisemeisterei, der heute im Schweizers in der Olgastraße arbeitet, wollte erst gar nicht zur Versteigerung gehen. Schon mal da, kaufte er im großen Stil ein: „Ich kenne die meisten Weine und weiß um ihren Wert.“ Ein Drittel schätzte er, werde er behalten, ein Drittel wandere erst in den Keller und dann auf die Schatzkarte des Schweizers, ein Drittel werde er weitergeben. „Da kann man schon süchtig werden“, gestand er und überlegte laut, dass er bei der späteren Anlieferung lieber nicht im Restaurant sein sollte.

„Das hätten wir schon längst machen sollen“, bilanzierte Kurrle nach einem langen Abend, der von Häppchen aus dem Frischeparadies begleitet wurde und natürlich von den eigenen Weinen.

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