Bild: factum / Granville

In unserer Serie Revisited! besuchen wir für mahlzeit Lokale, die wir schon einmal getestet haben.  Heute: Den Mittagstisch im Restaurant Ygrec in Ludwigsburg. Hier speist man im gepflegten Gewölbekeller und unter den Augen alter Filmhelden – aber erst die Hauptgerichte stimmen uns versöhnlich.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Im Fall des Besuchs im griechischen Lokal Ygrec in Ludwigsburg sind es jedenfalls einige Kellerstufen, auf denen man in die Tiefe hinabzusteigen hat, ehe man sich an einen der weiß gedeckten Tische setzen darf. Unten angekommen, empfängt den Gast eine gemütliche Atmosphäre im gepflegten Kellergewölbe. Ringsherum an den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotografien alter Leinwand-Helden, die man sogar käuflich erwerben kann.

Ein riesiges, gut gefülltes Weinregal an der Stirnseite vermittelt die klare Botschaft: Leute, die Griechen können nicht nur Retsina, sondern auch allerhand hochwertige Weine. Typisch für ein griechisches Lokal ist wiederum die Musik, die sanft aus den Boxen rieselt: Nicht mehr Salsa erfreut das Herz des Gastes, wie es beim vorherigen Pächter der Fall war, sondern Sirtaki mit der unverwechselbaren Bouzouki.

Auf der Mittagskarte des Ygrec stehen acht Gerichte, die sich zunächst allesamt nach „typisch griechisch“ anhören. Allerdings sehen sie etwas anders aus. Zunächst wird die Suppe serviert. Die gibt’s gratis zu jedem Mittagstisch dazu. Doch leider ist sie weder besonders schmackhaft noch richtig heiß. „Gemüsesuppe“, erklärt die Bedienung kurz angebunden auf die Nachfrage, um welche Suppe es sich hier handele. Welches Gemüse allerdings in der Brühe schwimmt, ist auch beim dritten Löffel bedauerlicherweise nicht einwandfrei erkennbar.

 

Die Hauptgerichte allerdings stimmen wieder versöhnlich. Der Gyros mit Kartoffeln und Zaziki an einer Nemea-Rotweinsauce (8,90 Euro) ist sehr schmackhaft, das Fleisch ist weder trocken noch zäh. Der Zaziki ist nicht zu knoblauchlastig, das Gemüse ist knackig und lecker. Ein paar Kartöffelchen mehr könnten es zwar sein, aber ansonsten ist das Gericht tipptopp und ansprechend angerichtet. Auch das Bifteki mit Kartoffeln und Zaziki (9,90 Euro) ist lecker: Appetitlich liegt das „Fleischküchle“ aus gemischtem Hackfleisch auf dem fein garnierten Teller.

Das Fleisch schmeckt lecker, auch das Gemüse ist gut – nur die überschaubare Menge des Ganzen lässt den Esser etwas ratlos und letztlich auch hungrig zurück.

Das Gleiche gilt für das leicht angebratene Gemüse mit Naturjoghurt und geriebenem Schafskäse zu 8,90 Euro: Das Gemüse, bestehend aus Blattspinat, zweierlei Zucchini, Paprika, Lauch, Zwiebeln und Karotten ist frisch, knackig und gut gewürzt, der Naturjoghurt, der in einem extra Schälchen dazugestellt wird, ist leicht und passt sehr gut dazu. Allein die Menge des Gerichts ist einfach zu klein – selbst für jemanden, der zu Mittag keine riesige Portion verdrücken kann oder möchte. Und für den doch nicht ganz geringen Preis wäre eine etwas größere Portion durchaus angebracht. Für alle Pasta-Liebhaber stehen noch Nudeln mit Ratatouille-Gemüse in einer Kirschtomaten-Basilikumsauce auf der Karte (9,90 Euro), für die Fischfans bietet die Chefin Katerina Daldou gebratene Wildcalamari mit Gemüse oder gebratene Rotbarben mit Gemüse (beides 12,90 Euro) an.

Im Ygrec kommen alle diejenigen auf ihre Kosten, die eine etwas anders interpretierte, griechische Küche suchen und eben nicht den Gyros-Fleischberg samt Pommes verdrücken möchten. „Moderne griechische Küche“ steht auf der Visitenkarte: jo, das passt.

Ygrec
Mathildenstraße 12, Ludwigsburg
Telefon 0 71 41 / 2 99 61 70
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 12 bis 15 Uhr und von 18 bis 23 Uhr, sonn- und feiertags von 17 bis 22 Uhr.

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