Kaiser & Schmarrn Stuttgart

(c) Lichtgut/Oliver Willikonsky

Nachdem Kerns Pastetchen geschlossen hatte, befürchteten die Freunde der österreichischer Küche einen Mangel in Stuttgart. Doch im Bohnenviertel gibt es jetzt ein Lokal mit überzeugenden Angeboten aus Österreich.

Als im Frühjahr Kerns Pastetchen dichtmachte, bekam mancher Fan der österreichischen Küche Schnappatmung. Nun können viele erleichtert sein, es gibt wieder ein Lokal in Stuttgart, das k. u. k. Klassiker serviert. Dem ehemaligen Griechen Odyssia haben die Gastronomen Marcel Jetter und Sebastian Gaiser nun die Krone aufgesetzt – sinnbildlich, über dem Eingang zum Kaiser und Schmarrn hängt sie als schmiedeeisernes Wirtshausschild.

Ihr Lokal haben die beiden mit viel Liebe und noch mehr Stil renoviert und eingerichtet. So harmonieren etwa die in gedecktem Grün gehaltenen Wände mit solidem Holzmobiliar und dem Parkett. Das Ambiente wirkt frisch, modern und heimelig zugleich. Die Verbindung zu Österreich erklärt sich unter anderem familiär: „Meine Mama kommt aus Wien, meine Frau aus Vorarlberg“, sagt Marcel Jetter. Und Gaisers Vater stammt aus Tirol.

Ihre Karte haben die Wirte angenehm übersichtlich gehalten. Dazu gibt’s ein paar Tagesangebote, am Testabend cremig-würziges Kaiserfleisch (16 Euro), im Schwäbischen als eingemachtes Kalbfleisch bekannt. Wer bei Blunzen (Blutwurst), Paradeiser (Tomaten) oder Kren (Meerrettich) Übersetzungshilfe braucht, bekommt sie von Jetter, der seine Gäste umsichtig berät.

Bei den Wiener Austern (sechs Stück zu 10 Euro) etwa handelt es sich um Weinbergschnecken, die nichts mit dem in Knoblauchbutter ertränkten Geschnurzel zu tun haben, das in den 70er Jahren als Delikatesse galt. Die Schnecken des Wiener Züchters Andreas Gugumuck schmecken erdig-nussig und erinnern eher an Kalbfleisch. Jetter serviert sie mit selbst gemachter Kräuterbutter, zurückhaltend gewürzt, um den feinen Geschmack nicht zu überlagern.

Ob Tafelspitzsalat (9 Euro) mit fruchtig-süßem Spitzpaprika und leicht rauchigem Kürbiskernöl oder mit Gurkerl und Bauchspeck gefüllte Rindsvögel (das Stück zu 8 Euro), sprich Rouladen: Im Kaiser und Schmarrn setzt man auf das Produkt, auf den Eigengeschmack. Wer’s braucht, kann selbst nachwürzen.

Was man beim Österreicher natürlich probieren muss, ist das Wiener Schnitzel (ca. 100 Gramm zu 9 Euro, man kann aber wie bei allen Fleischgerichten mehr bestellen). Es ist so, wie es sein muss: das Kalbfleisch dünn und zart, die Panier wellig und kross. Beilagen bestellt man nach Belieben hinzu: Gurkensalat (3 Euro) etwa, glasierte Radieschen (4 Euro) oder Semmelknödel (4 Euro). Dazu passt ein knochentrockener Rosé vom Weingut Glatzer aus Göttlesbrunn (das Dezi zu 4 Euro).

Kein Schmarrn: Selbiger ist am Testabend nicht zu haben. Die Mehlspeise gibt’s für zehn Euro pro Person erst ab 22 Uhr. Für die originale Zubereitung brauche man Zeit und Platz in der Küche. „Beides haben wir erst, wenn die Hauptgerichte durch sind“, erklärt Jetter. Nachvollziehbar – und einer der vielen Gründe wiederzukommen.

Kaiser und Schmarrn, Brennerstr. 23, S-Mitte, Telefon 07 11 / 67 27 98 23, dienstags bis samstags ab 18 Uhr

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