Bilder: Lichtgut / Julian Rettig

Vermutlich war’s der Neustart mit dem größten Trommelwirbel seit langer Zeit: Das Richter’s Fine Dining weckte vor dem Start große Erwartungen. Und hat sie erfüllt! René Richter, der Mann aus Sylt, legte beim Hauptbahnhof einen Bilderbuchstart hin, findet unser mahlzeit-Kritiker, das sei Hochgenuss mit Nordseecharme.

Das Meer hat er verlassen – und stieß im Binnenland von Stuttgart erst mal auf viel zu viel Wasser. René Richter, der auf Sylt das Restaurant Kamp’ner Pesel geführt hat, konnte Monate später als geplant seine neue Küche im Citygate-Gebäude unweit des Hauptbahnhofs eröffnen. Wegen eines Wasserschadens musste der Boden rausgerissen und das Lokal komplett renoviert werden.

Was herausgekommen ist, zählt zu den außergewöhnlichsten Gastro-Hotspots der Stadt und überzeugt mit seinem Ambiente, aber vor allem kulinarisch. Einen Bilderbuchstart hat der 1970 in Usedom geborene Koch hingelegt und sich bereits viele Freunde mit kreativer und vielseitiger ­Küche gemacht, die knapp unterm Sterne-Niveau liegt. Was auf den Teller kommt, ist ein raffiniertes Spiel der Aromen, immer gut für geschmackliche Überraschungen. Das Wort „übersichtlich“, das Gäste der Spitzengastronomie gern verwenden, trifft hier nicht zu. Die Portionen sind üppig.

Bild: HellwigStudios GbR

Bild: HellwigStudios GbR

Im Urlaub hatte Harald Panzer, Gründer der Fellbacher Firma Wohninvest, im Kamp’ner Pesel gegessen und war von Richter so begeistert, dass er seinen neuen Lieblingskoch unbedingt in seine Nähe ­holen wollte. Hinter dem neuen Restaurant stehen Investoren, für die immer ein langer Tisch im erhöhten Logenbereich reserviert ist, dessen Vorhang sich zum Separee zuziehen lässt. Wer nicht hinter den Vorhang darf, wird keineswegs zweitklassig behandelt. Der Service ist überdurchschnittlich. Kaum sitzen die Gäste, wird ihnen eine kleine Tafel mit Tagesempfehlungen auf den Tisch gestellt. Bei den Steaks kostet die Hochrippe aus Irland, 28 Tage Dry Aged, 85 Euro. Aber auch wer nicht so viel ausgeben will, findet in der überaus vielfältigen Speise- und Weinkarte das Passende. Für zwei Personen haben wir 110 Euro bezahlt. Der Küchengruß – Lachscarpaccio mit Wasabi – ist die erste Offenbarung. Die Vorspeise – gebratener Zander auf Roter Bete mit Kartoffel-Cube, aus der beim Aufschneiden das Wachtelei fließt – kostet 18 Euro. Was für ein Genuss! Bei zweierlei Pannfisch (27 Euro) fühlt man sich nah am Meer. Sylt ist in Stuttgart angekommen. Die einzige Klage, die man von begeisterten Gästen hört, ist, dass es für sie keine Parkplätze in der Citygate-Tiefgarage gibt. Das Essen ist aber so gut, dass es sich lohnen würde, dafür zu Fuß quer durch die Stadt zu laufen.

Der Tisch für besondere Gäste im Richter′s

 

Richter’s Fine Dining

Friedrichstraße 6, S-Mitte
Telefon 07 11 / 5 05 00 50
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr sowie von 18 Uhr bis Open End; Samstag von 15 Uhr bis Open End. So geschlossen.

www.richters.de

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