Bilder: Lichtgut / Julian Rettig

Der Start verlief nicht wie in der Formel 1, es war eher einer mit angezogener Handbremse. Im Stuttgarter Autotempel mit dem Stern kocht jetzt ein Münchner. Philip Jaeger gelingt dies allerdings noch nicht so ganz, wie er sich das vermutlich selbst vorstellt. Unsere mahlzeit-Kritikerin vermisste die Überraschungen. 

Hoppla! Peugeot ist ins Mercedes-Museum eingezogen. „Das Mahlwerk ist einfach das Beste“, sagt die junge Frau, die Salz- und Pfeffermühle bringt. „Das Beste oder nichts“ will die neue Gastronomie im Autotempel bieten. Philip Jaeger ist seit Januar der Küchenchef, der Münchner hat zuvor in der BMW-Welt gearbeitet. Der erste Eindruck ist: Im offenen Raum im Erdgeschoss hat sich nichts verändert – er hat den Charme einer Möbelausstellung. Auf den nackten Tischplatten liegen grüne Papierservietten, die lose Karte ist auf ein Holzbrett gepinnt. „Wir sind dabei, die Tischdeko zu ändern“, erklärt Jaeger. Auch will er einen Bereich für eilige Gäste schaffen, und im eigentlichen Restaurant „wertiger“ kochen. Bisher sei das Speisenangebot „nicht Fisch, nicht Fleisch“. Leider aber mahlten die Mühlen bei Mercedes langsam – man habe noch nicht einmal das Okay für den neuen Namen bekommen.

Maultasche von der Manufaktur Kächele

Tatsächlich sind die Speisen bei unserem Besuch handwerklich tadellos zubereitet – aber es fehlt die Raffinesse. Hier wird sozusagen mit angezogener Handbremse gekocht. Die Essenz vom Räucherfisch hätte mehr von Lauch und Estragon vertragen, in ihr schwimmen drei Mini-Fischmaultäschchen (6,50 Euro). Perfekt gebraten ist der Zander mit knackigen Linsen und kompaktem Kartoffelschaum (16,50 Euro). Auch der Rostbraten kommt auf den Punkt medium an den Tisch mit Zwiebelcreme, und Spätzle gibt’s im Extraschälchen (22,50 Euro). Ein Tribut an die asiatischen Museumsgäste ist die Miso Ramen, die traditionelle japanische Nudelsuppe, hier mit Schwein; Chili gibt die Schärfe dazu, Soja reichlich salzige Noten (17,50 Euro). Das „Naschwerk“ aus dem Bauladen kostet je Glas (etwa Cheesecake) 3,80 Euro und soll Lust machen auf Süßes.

Küchenchef Phili Jaeger

Das Restaurant im Museum

Die Liste der offenen Weine ist schmal, soll aber erweitert werden. Bisher findet sich hier ein einfacher Kerner vom Weingut der Stadt Stuttgart, aber auch ein schmelziger Pinot Grigio von Alois Lageder aus Südtirol (8 Euro). Der Service ist jung, flott und freundlich. Ob allerdings jeder Gast ­geduzt werden mag? Sein Einstieg sei „suboptimal gelaufen“, sagt Jaeger, der viele Ideen hat, etwa für Abendevents vom BBQ bis zum Zwei-Sterne-Gastkoch. Bis es so weit ist, muss der junge Münchner allerdings noch den Turbo einlegen.

Ragout von der Kalbszunge

Restaurant im Mercedes-Museum

Mercedesstraße 100, 70372 Stuttgart
Telefon 07 11 / 1 78 30 63
Öffnungszeiten: Warme Küche täglich von 11.30 bis 14.30 und von 16.30 bis 18.30 Uhr.

Küche

Ambiente

Service

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