Bilder: Horst Rudel

Eine etwas andere Wirtschaft, die etwas mehr ist als nur ein Lokal: In der Pfarrstraße von Hohengehren bittet das Wohnzimmer-Restaurant namens Kleiner Termin zu Kulinarischem und Kulturellem. Der jüngste Spross in der Angebotspalette ist der Kleine Laden an der Hauptstraße.

Man fasse ein stilvolles Bauernhaus ins Auge, greife im Wohntrakt unterm Dach eine leere Wohnung heraus – und streue unter Bekannten und Verwandten, Nachbarn und Freunden , dass Interesse an Tischen und Stühlen und sonst noch manch Entbehrlichem bestehe. Die Folge lässt sich nicht nur auf Wandregalen ablesen, wo sich Kaffeekannen und Suppenschüsseln aller Zeitalter ein beengtes Stelldichein geben, sondern die Wohnung gibt dank der Spenden und Gebrauchsgüterarrangements ein einladendes und buntes Bild ab – gerade richtig für das Wohnzimmer-Restaurant namens Kleiner Termin.

Der gute und zupackende Geist der etwas anderen Wirtschaft in der Hohengehrener Pfarrstraße 34 ist die aus dem unterfränkischen Kitzingen stammende und bekennende Sammlerin Angelika Feuerbacher. Die budgetschonende und sperrmüllreduzierende Gründungsidee des „Etablissements“, wie die 54-Jährige sagt, entsprang einer Abmachung mit ihrem Mann.

Und was an Heimeligkeit, Zimmerschmuck, Nippes und Accessoires noch fehlte, hat Frau Wirtin dank ihres unverstellten Bekenntnisses zu „Kunst, Kitsch und Kulinarischem“ beigesteuert. Eigene Bilder und Porträts schmücken die Wände, und wer sich als Gast auf die Suche nach versteckten Botschaften macht, wird auch rasch fündig: „Wir haben alles, was Sie brauchen“, heißt es da ganz nett nassforsch, „und was wir nicht haben, brauchen Sie nicht!“ Basta. Oder Barbra Streisand postuliert unter ihrem Konterfei streng und mehrdeutig: „Sei wild und unersättlich!“

Für Angelika Feuerbacher ist der Kleine Termin die große Erfüllung: „Hier kann ich alle Sachen, die ich gerne mache, miteinander verbinden.“ Was sie gern macht, respektive arrangiert, sind Motto-Abende. So ist etwa im Frühjahr und Herbst je zweimal die Erinnerung an den Komiker Heinz Erhardt angesagt – begleitet von Lesungen mit Jürgen Bossert und typischen 50er-Jahre-Hits wie Russisch Ei, Toast Hawaii oder Ragout fin auf dem Teller, wobei Birne Helene die Abschlusskür bildet.

Zu ihren „Oberdauerbrennern“ in Sachen Motto-Abend rechnet Angelika Feuerbacher auch den Linksdenker und Volkssänger Karl Valentin. Ihn besingt, rezitiert und imitiert Axel Grau, am Akkordeon begleitet von Tobias Escher; Termine sind im Februar, April und im November. Im Mai gibt es einen „Spanischen Abend“ mit Tapas und den Dos Mundos, und auch „das Ohr isst mit“, wenn ebenfalls im Wonnemonat die Gruppe Bitter Green zu Musik und Menü erwartet wird.

Immer am ersten Dienstag im Monat ist „Gourmet-Stammtisch“, mit Ausgefallenem bis Experimentellem aus der Küche und maximal einem Dutzend wechselnden Stammtischlern. Hier habe sie ihre Kostgänger schon mal mit der zufällig im Garten entdeckten Chamäleonpflanze als Würzmittel oder einem Blaukraut-Kokos-Süppchen überrascht, verrät die Köchin. Und wer den üblichen sonntäglichen Brunch-Reigen einmal mittels eines klassischen Gabelfrühstücks durchbrechen möchte, wird ebenfalls im kulinarischen Programm des Hauses fündig.

Bier hat bei den Feuerbachers einen persönlichen Namen. Ist es hell, läuft es unter „Blondine“, ist es eher dunkel, steht „Brunette“ auf dem Tisch – beide stammen sie vom Tegernsee. Einen Namen hat sich mit ihren Eskapaden auch die Rabenkrähe Adelbert gemacht. Adelbert verbrachte eine Genesungskur in der Pfarrstraße, seither erinnert manches Detail an ihn.

Typisch für den Kleinen Termin, von dem es in Stuttgart schon mal einen Namensvorgänger gegeben haben soll, sind die fehlenden fixen Öffnungszeiten. Und existiert die Wohnzimmer-Lokalität bereits seit acht Jahren, so ist vor vier Jahren die frühere Scheuer als Veranstaltungsort und Kinosaal in der warmen Jahreszeit hinzugekommen. Das jüngste Kind in der Angebotspalette ist seit Dezember der Kleine Laden in der Hauptstraße 74 von Hohengehren. Hier kann man frühstücken und sich mit Geschenken und Mitbringseln eindecken. Und auch da wird wohl gelten: „Wir haben alles, was Sie brauchen, . . .“ Aber das kennen wir ja schon!

 

Die Termine im Internet unter
www.derkleinetermin.de