Bild: Springorum

Es ist so etwas wie ein Meltingpot, ein Schmelztiegel verschiedenster Nationen mitten im Stuttgarter Westen: Im Irish Pub O‘Reillys treffen sich Briten, Deutsche und der Rest der Welt auf ein Pint. Der Ire Robert O’Rorke betreibt das Lokal seit ein paar Jahren.

Eiskaltes Guinness, Quiz-Nights, Sport und gutes Essen: Ein Irish Pub wie aus dem Bilderbuch. Robert O’Rorke ist ein waschechter Ire mit trockenem Humor und großem Herz. Seit ein paar Jahren betreibt der 37-Jährige den O‘Reillys Irish Pub in der Reuchlin­straße bei der S-Bahnhaltestelle Schwabstraße, ein Kleinod unter den Stuttgarter Bars, bei dessen Betreten man sprichwörtlich von Deutschland auf die grüne Insel übertritt. „Ich wollte immer schon eine Bar eröffnen“, so O‘Rorke. „Ich denke, das ist eines der Stereotypen, die man so über Iren hat: Sie sind nicht ganz richtig im Kopf und trinken viel zu viel.“

Laut den gängigen Klischees sind sie allerdings auch rothaarig, streitsüchtig und suchen gern am Ende eines Regenbogens nach einem Topf voll Gold. Soll heißen: Stereotype sind nicht immer wahr. Dennoch kam für O‘Rorke nichts anderes als ein Irish Pub in Frage. „Ich verließ Irland mit 27, reiste viel durch die Welt.“ Er war in Europa unterwegs, in Australien und Kanada. „Ich arbeitete eigentlich immer schon im Gastgewerbe. Deswegen war mir die ganze Zeit über klar, dass ich irgendwann nach Mitteleuropa zurückkommen würde, um an irgendeinem schönen Ort eine schöne Bar zu eröffnen.“ Zunächst arbeitete er in einem anderen Stuttgarter Irish Pub. „Doch als sich die Möglichkeit ergab, diesen Pub hier zu übernehmen, ergriff ich mit meinem Geschäftspartner die Gelegenheit beim Schopfe.“ Heute arbeiten hier sieben Festangestellte und einige Teilzeit-Jobber aus Großbritannien, aber auch aus Italien, Brasilien und Australien.

Dass es für O‘Rorke ausgerechnet Deutschland geworden ist, war eine Art kalkulierter Zufall. „Ich mag die Atmosphäre in Mitteleuropa eigentlich am allermeisten“ gesteht er. „Die Bevölkerung in diesen Ländern ist deutlich gemischter und vielseitiger – und auf Deutschland trifft das natürlich besonders zu. Ein Irish Pub außerhalb Irlands zieht zudem immer verschiedenste Nationalitäten an. Englisch ist sozusagen die Muttersprache. Das senkt die Hemmschwelle für diejenigen, die vielleicht nicht so gut Deutsch können. Ein Irish Pub“, ist er sich sicher, „bringt die Menschen zusammen.“ Auch in der Reuchlinstraße: Rund 15 Prozent seiner Gäste sind Iren, etwa 40 Prozent Deutsche. „Danach kommen Amerikaner, Franzosen, Engländer und alle anderen Länder.“

Laut O‘Rorke erwarten sie von einem Irish Pub alle dasselbe: „Ein gutes Pint Guinness, kräftiges irisches Essen und eine warme, offene Atmosphäre.“ Trifft alles auch auf O‘Reillys zu – ergänzt um ein eigenes Bier, eine große Craft-Beer-Auswahl und jede Menge irischen Whiskey. Montags finden einige irische Musiker zusammen, um melancholische Folk-Musik zu spielen, dienstags ist immer Pub Quiz, dazu läuft Sport, am Wochenende auch mal größere Events. „Nächsten Februar wollen wir einen weiteren Raum eröffnen, in dem sich bis vor einiger Zeit der Pizzaservice befand“, verrät der Betreiber. „Da soll es dann auch Live-Konzerte geben.“ Und was die wenigsten wissen: Im Sommer lockt hinter einer Tür ein herrlich lauschiger Garten nur einige Meter vom Haupteingang entfernt.

Die perfekte Außenstelle eines Irish Pubs wird auch durch einen irischen Koch ermöglicht, der neben Irish Breakfast und Fish and Chips auch wöchentlich wechselnde Burger kredenzt. Eben alles so, wie es Robert O‘Rorke aus seiner Heimat kennt. Aufgewachsen ist er in einem Städtchen südlich von Dublin, eines Tages will er auch auf die Insel zurück. Doch bis dahin wird noch viel schwarzes Guinness aus den Hähnen fließen – perfekt gezapft in genau 119,5 Sekunden, wie es sich für dieses legendäre Stout-Bier gehört. „Ich bin sehr zufrieden hier“, nickt er. „Der Pub ist außerdem ein gutes Mittel gegen Heimweh. Für mich – aber auch für unsere Gäste.“ Längst sind viele seiner Gäste zu guten Freunden geworden. Und andersherum. Robert O‘Rorke, der Exil-Ire, ist eben ein geborener Gastgeber, der jeden auf dieselbe Art und Weise willkommen heißt. Deswegen betreibt er diesen Pub ja überhaupt. „Ich liebe es, den Menschen einen warmen, gemütlichen und entspannten Rückzugsort bieten zu können“, sagt er. „Egal, ob sie eine Apfelschorle oder fünf Guinness trinken.“

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