Bild: Nina Ayerle

Bowls, Matcha-Kuchen, Avocado: seit kurzem hat das Café Gustav im Stuttgarter Westen in der Schwabstraße 47 geöffnet. Der Laden setzt auf internationale Trends, bietet aber auch bodenständige Gerichte an. Zuvorderst aber steht: Gesundes Essen, das die Gäste auch mal auf die Schnelle zu sich nehmen können. 

Das Café Gustav könnte sich auch irgendwo in Berlin-Mitte befinden. Der Blick auf die Speisekarte lässt sicher jedes Hipster-Foodblogger-Herz höher schlagen. Essensmäßig ist man dort am Puls der Zeit. Essen sagt man dort aber nicht, sondern eher „Food“, „healthy food“ um genau zu sein: Bowls, die Obstvarianten hätte man früher Früchtemüsli genannt, Matcha-Kuchen, Ingwer-Shots oder Falafelteller mit Avocado-Granatapfel stehen auf der Karte. Zum Frühstück dann gibt’s „Overnightoats“  – also eigentlich Haferflocken, die am Abend davor in Milch eingeweicht wurden. Und abends schenken sie im Café Gustav natürlich auch Gin aus. Die Namen klingen jetzt vielleicht ziemlich seltsam, aber Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung spielt für viele Menschen eine immer größere Rolle. Auch vegetarisch oder komplett vegan zu essen, ist für viele längst kein Trend mehr, dem sie mal kurz folgen, sondern eine Lebensphilosophie.

In Stuttgart gibt es noch recht wenige Cafés und Restaurants, die diese internationalen Trends in dieser Breite schon auf der Karte haben. Das haben sich zumindest Benjamin Martin, 34, und sein Geschäftspartner Daniel Keßler gedacht. Eigentlich führen die beiden seit Jahren gemeinsam eine Werbeagentur. Nicht nur geschäftlich haben sich die beiden Stuttgarter viel mit Gastronomie beschäftigt. Auch privat waren sie viel auf Reisen und haben sich weltweit die angesagtesten Läden angeschaut – in New York, Berlin oder in Venedig. „Vieles gibt es in Berlin schon sehr lange“, sagt Benjamin Martin. Eine Lücke sehen sie in Stuttgart bei frischen, gesunden Gerichten, die man eben auch mal schnell mitnehmen kann – quasi Fast Food to go in gesund.

Wichtig sei ihnen eben gerade der nachhaltige Ansatz gewesen: „Der Kaffeebauer soll von uns direkt sein Geld bekommen“, sagt Martin. So kommen die Bohnen aus dem Westen – nebenan von Mókuska.

Er und sein Kollege setzen aus Überzeugung auf dieses Konzept, sagt Martin. Aber: „Hier in der Straße würde man mit Massenware auch nicht überzeugen.“ Den Mittagstisch wollen sie nun noch ausbauen, aber „ein Restaurant wollen wir nicht werden“, ergänzt er. Eher eine Mischung aus Café und Bar. Die Werbeagentur führen die beiden nämlich weiterhin gemeinsam.

In manchen Dingen wollen sich die beiden Neu-Gastronomen übrigens bewusst von aktuellen Trends absetzen: „Wir wollen nicht das zehnte Café im Berliner Shabby-Look sein“, sagt Martin. Beide setzten gerne auf Altes: „Wir hätten eigentlich am liebsten gerne 1650 oder so gelebt.“

Ihre Holzbänke hätten immerhin 50 Jahre auf dem Buckel, an der Wand hängen alte Fotografien mit Stuttgarter Motiven wie dem Schwabtunnel. Der Name Gustav stammt von Gustav Schwab, nach dem auch die Straße benannt ist. Charme hat auch der kleine Hinterhof, von wo man vom Straßenlärm verschont ist. Und allein das Haus ist schon uralt – was die beiden auch beim Umbau viele Nerven gekostet hat. „Gefühlt bin ich nach diesen zwei Jahren 38 Jahre alt und nicht mehr 34“, sagt Martin. Sie haben auch da viel selbst gemacht.

Für manche klingt das jetzt vielleicht alles etwas zu hip. „Bowls oder Matcha-Kuchen, das muss man heutzutage aber anbieten können“, findet Martin. „Zu klassisch geht man vielleicht schnell unter.“ Aber keine Sorge: es gibt dort auch andere Gerichte. Eine leckere Kürbissuppe zum Beispiel und Flammkuchen. Oder einen bodenständig-schwäbischen Käsekuchen, den die Mutter von Benjamin Martin backt und der wirklich großartig schmeckt. „Die ganze Familie ist bei uns eingebunden“, sagt Benjamin Martin. Ein paar schwäbische Einflüsse gibt es also auch im Café Gustav in Stuttgart-West.

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