Bild: Krauss

Ob Kochen oder Erotik – beides braucht Fantasie und Lust. Diana Krauss, eine Foodstylistin, steht für die heiße Küche. Mit Bunsenbrenner und DJ-Musik hat sie im Stuttgarter Restaurant Mikôto eine molekulare Show zelebriert.

Essen ist der Sex des Alters. Dieser Spruch ist schon ziemlich alt. Sagen soll er uns: Wenn der Sex nicht mehr so recht klappt oder nicht mehr so sehr reizt, kann gutes Essen Lust bereiten – oder wenigstens an den Spaß der Jugend erinnern.

Diana Krauss aus Zürich, Jurymitglied der TV-Sendung „Beef Club“, wartet nicht aufs Altwerden, um Essen mit Erotik gleichzusetzen. Gern agiert die 1983 geborene Sächsin, die seit Jahren in der Schweiz lebt und das Nationalteam der Eidgenossen bei Olympischen Spielen bekocht hat, mit ihrer Showküche im schicken Outfit mitten im Restaurant. Dann kann sie am besten zeigen, was sie unter Heißmachen am Herd versteht.

Kochen und Sexysein gehören für die ehemalige Schönheitskönigin von Aue zusammen – so wie für sie Essen, Kunst und Show zusammengehören. Fans von Küchenevents, die zum Gaumenkitzel die Inszenierung brauchen, mögen bei Genuss-Puristen auf Ablehnung stoßen. Doch noch immer sind molekulare Eskapaden, die der spanische Drei-Sterne-Koch Juan Amador vor Jahren zelebriert hat, keineswegs out. In Gourmetkreisen ist die Molekularküche umstritten. Was sagt der Begriff schon aus? Alle organischen Stoffe bestehen aus Molekülen.

Diana Krauss tourt mit Food Couture durch Restaurants. Beim Schockfrosten mit flüssigem Stickstoff lässt sich die 35-Jährige auf die Finger schauen. Wenn immer sie mit DJ-Begleitung erscheint, also mit Partymusik, sind hippe Gastro­locations vollgestopft – so auch im japanischen Mikôto bei der Paulinenbrücke.

Der Gin Tonic dampft in dieser Nacht und schimmert bläulich – für Gäste wie Anahita Rehbein, Miss Germany 2018, Moderator Mustafa Göktas, Juwelier Marius Häffner und Gold-Run-Veranstalter Marc Wenger. Nebel steigt aus dem Cocktail auf. Qualm-Sticks bestehen im oberen Teil aus Kunststoff, im unteren befindet sich ein Stück Trockeneis für den Showeffekt. Es wabert an diesem Abend nicht nur an den heißen Platten von Diana Krauss. Der Sohn von PR-Agentin Sandra Vogelmann ist begeistert. „Das ist wie in der Harry Potter-Küche“, sagt der Junge erfreut und will kaum von der Seite der Köchin mit dem Bunsenbrenner weichen.

Als Vincent Klink , der Patron der Wielandshöhe, einmal gefragt worden ist, was er von Molekularküche hält, sagte er, mit solchen Küchenfaxen wolle er sich nicht erniedrigen. Aber er habe nichts dagegen, wenn Menschen Verrücktes täten.

Die Köchin Diana Krauss rühmt den Mut zum Experiment und stellt ihn gar in einen künstlerischen Zusammenhang. „Was in den Kochtopf kommt, sollten wir jeden Tag würdigen“, sagt sie, „wie ein Künstler mit jedem Pinselstrich sein Bild malt, benutze ich den Teller.“ Mikôto-Chefin Nancy Trinh spricht von einem „spannenden Erlebnis“, wenn neue Aggregatzustände auch in der japanischen Küche entstehen. Stellenweise erinnert die Sache an den Chemieunterricht.

Letztendlich entscheiden sollte der Geschmack. Showbusiness allein macht nicht satt. Man will auch was Gutes zum Beißen haben. Wer etwa ein schockgefrostetes Eiweißbällchen in den Mund steckt, spürt Eiseskälte, bevor die Zähne zum Fisch vordringen. Die Offenbarung ist das nicht. Etliche Gäste verzichten darauf. Erlebnisgastronomie ist, wenn das Erlebnis wichtiger ist als das Essen. Aber man hat sich dabei prächtig unterhalten. Harry Potter lässt grüßen. Wer liebt ihn nicht?

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