Bilder: Lichtgut/Rettig, Stollberg, 7aktuell/Euler

Ein Brauer setzt dem Nesenbach ein goldenes Denkmal! Kurz vor dem vierten Stuttgarter Craft Beer Festival in den Wagenhallen (12. bis 14. April) stellt sich der jüngste Neuzugang der lokalen Brauerei-Szene vor: Mit Lost River Brewing ehrt Sven Fuchs (33) klassische und internationale Bierstile.

Die Hauptzutat im Bier ist und bleibt Wasser. Man könnte das jetzt noch weiterführen und postulieren, dass eine der wichtigsten Zutaten im Leben allgemein Wasser ist. Aber das ist bekanntlich ein Reizthema für den Stuttgarter, der sogar von seinem eigenen Fluss, dem Neckar, bockig umschwommen wird. Auch ein einstmals direkt durch die Innenstadt fließendes Gewässer, der Nesenbach, wurde frech unter die Erde verbannt, um der urbanen Architektur Platz zu machen.

Einem jungen Brauer aus Stuttgart-Ost passte das gar nicht. Und weil er gerade eh nach einem Namen für seine kleine Brauerei suchte, war dies die Geburtsstunde von Lost River Brewing. Lost river, der verlorene Fluss also, ein herrlich poetischer Name für eine Biermarke – und nicht ganz zufällig ein englischer. „Meine Bierleidenschaft begann in England“, erinnert sich Sven Fuchs, der Lost River Brewing vergangenes Jahr gründete. „Die Pubkultur mit den vielen verschiedenen Bieren vom Fass hat mir imponiert. Danach war das Interesse da und wurde durch Reisen in die USA und nach Kanada vertieft.“

Sven Fuchs sucht eine Heimat für seine Brauerei

. . . im Kraftpaule vertreibt er viele Sorten

Das, wohlgemerkt, zu einer Zeit, als es in Stuttgart gerade mal die Cast-Brauerei im Heusteigviertel gab. Fuchs erinnert sich gut. „Anfangs war es gar nicht leicht, hier an spannende Biere zu kommen, also kaufte ich einfach alles, was anders klang.“ Vom Traum einer eigenen Brauerei war er damals noch weit entfernt. Doch der Schreibtischjob, so sicher und komfortabel er auch war, reichte ihm immer weniger. „Ich spürte, dass ich etwas ändern muss und wollte immer schon etwas Handwerkliches machen.“ Die erste Idee, ein Food-Truck mit Craft-Bier, war wegen der ortsgebundenen Schanklizenz nicht durchführbar, also widmete er sich dem Hobbybrauen in den eigenen vier Wänden.

Was ihm besonders am Brauen gefällt, ist von Anfang an das Handwerkliche. „Es steckt weniger moderne Technik im Bierbrauen als man denkt“, unterstreicht er. „In der Größenordnung, in der ich mich bewege, also bis zu 500 Liter pro Sud, ist der Großteil Handwerk und echte Handarbeit. Jede Flasche muss gereinigt, von Hand abgefüllt und etikettiert werden.“ Zudem schmecke kein Sud wie der andere. Fuchs: „Ein echtes Naturprodukt eben.“

Die Begeisterung für das Bierbrauen, sie wuchs und wuchs. Eine befreiende Kündigung und ein Praktikum bei Daniel Bleicher in der Cast-Brauerei Anfang 2018 besiegelten das Schicksal des Sven Fuchs: Lost River Brewing war geboren, ein neuer Weg eingeschlagen. „Daniels Arbeitsweise hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich der junge Brauer an sein Praktikum im Heusteigviertel. „Er hat eine unglaubliche Ruhe und mir sehr viel Zuversicht vermittelt.“ Es scheint gewirkt zu haben: Ein Jahr später ist der 33-Jährige ein spannender Neuling unter den Stuttgarter Handwerksbrauern – ganz offiziell die erste Generation nach dem Craft-Pionier Cast.

Auf dem Kraft Beer Festival . . .

. . . schmeckt es den Besuchern sicher wieder

Allerdings ist Fuchs auch ein Heimatloser. Ein Nomade auf der Suche nach einer eigenen Brauerei, der mal hier und mal dort braut. Seit einem halben Jahr sucht er nach geeigneten Räumlichkeiten, sein Traum ist Brauerei und Pub in einem – „ein richtig schöner Brewpub eben, das fehlt der Stadt noch.“ Zwei Drittel offene Brauerei, ein Drittel Tap Room, ein Ort also, an dem man die Biere dort genießen kann, wo sie entstehen. Aber wie schwierig sich diese Suche gestaltet, konnten Stuttgarter Biertrinker im vergangenen Jahr hautnah bei Kraftpaule miterleben.

Die richten auch das vierten Stuttgarter Craft Beer Festival vom 12. bis 14. April 2019 in den Wagenhallen aus. Zum ersten Mal ist in diesem Jahr auch Fuchs mit einem eigenen Stand vertreten. Dort wird er sein Lunatic Lager, ein unfiltriertes Pils mit feiner Bitternote, das hopfige Stardust Pale Ale, ein IPA und seinen Favoriten, ein Altbier, ausschenken. Wer es nicht zum Festival schafft, der findet seine Biere unter anderem in der Alten Schule Gablenberg, in der Bierothek in den Königsbaupassagen, in der Minibar, der Wunderkammer und dem Galao. Tendenz steigend. Und das ist kein Wunder: Auffällig an seinem Gerstensaft ist nämlich die Konzentration aufs Wesentliche. Aromatisch, ja, aber kein Aromaknüppel, wie man es von manchen Pale Ales kennt. „Oft sind mir zu viele Aromen drin und ich habe dann gar keine Lust auf ein zweites Bier. Und das ist ja nicht im Sinne des Erfinders.“ Nur wenige Biertrinker würden da widersprechen.

 

www.lostriver-brewing.com

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