Bilder: factum / Granville

Mitten im März kommen am Wochenende frühlingshafte Temperaturen – und die ersten Grills werden im Garten angeschmissen! Karl-Heinz Beßler, Grill-Händler aus Nufringen, kennt sich am besten mit den Trends aus. Im Interview mit mahlzeit.city meint er, die Branche sei auf dem richtigen Weg: Der Elektrogrill ist im Kommen – auch wegen der Feinstaubproblematik.

Die Temperatur des Fleisches . . .

. . . liest man auf dem Handy ab

Karl-Heinz Beßler hat schon mehrere Revolutionen mitgemacht: Seit fast einem halben Jahrhundert ist der Nufringer Händler im Grillgeschäft. Vom Kugel- über den Gasgrill bis zum Elektrogrill reicht die Entwicklung in seiner Branche. „Jeder Grillfreund hat seine Affinität“, sagt der 62-Jährige, der ein Spezialist für die US-Marke Weber ist. Nach der Premiere im vergangenen Jahr stellt er auch dieses Mal wieder auf der Sindelfinger Messe Grill & BBQ aus. Er hat die vielen Besucher genossen, denn mittlerweile würden sich auch die Frauen an den Grill trauen.

Herr Beßler, warum ist Grillen so beliebt?

Im Prinzip, weil es so gesellig ist. Die Menschen sitzen einfach gerne mit Freunden und Familie draußen an einem schönen Platz zusammen. Das Feuer fasziniert, Grillen ist ein Erlebnis, man ist in der Natur. Der Mann bereitet etwas auf dem Feuer zu.

Scharfe Messer und scharfe . . .

. . . Dips gehören dazu

Grillen ist also immer noch ein Männerding?

Richtig. Aber mittlerweile trauen sich auch schon viele Frauen an den Grill. Meine Frau macht zum Beispiel viele Gerichte auf dem Gasgrill. Kürzlich hat sie einen Kalbsschmorbraten im Dutch Oven zubereitet. Ich bin eher der schnelle Koch, ich bin für die Steaks zuständig. Aber halt! Zu Weihnachten habe ich eine Acht-Kilo-Gans über vier Stunden draußen im Garten geschmort. Also: mit der Holzkohle eine Glut zu machen ist noch immer eine Männer­domäne. Aber obwohl jeder mit dem Grillen das Feuer verbindet, verkaufen wir längst mehr Gas- als Kohlegrills.

Sie sind seit 47 Jahren im Geschäft: Wie hat es sich in Deutschland entwickelt?

Als ich angefangen habe, steckte es natürlich noch in den Kinderschuhen. Es gab nur einfache Holzkohlegrills. Die Erfindung des Kugelgrills von Weber war eine Revolution: Er hatte einen Deckel. Das gab es in Deutschland damals nicht. Damit wurden ganz andere Zubereitungsmethoden möglich. In den 1980er Jahren folgten die Gasgrills, das war auch ein Durchbruch. Sie sind superpraktisch und bequem: Deckel auf, Schalter an, und los geht’s. Die Technik wurde immer ausgefeilter. Mittlerweile sind Gasgrills ja nicht mehr nur Grills, sondern verfügen auch über einen Backofen und Kochplatten. Das ist wie eine Küche fürs Freie. Was jetzt kommt, ist der Elektrogrill. In vielen Wohngebieten darf man nicht mehr mit Kohle und Gas grillen. In manchen Städten wie Frankfurt und Freiburg ist es wegen der Feinstaubbelastung sogar schon verboten. Das kann in Stuttgart ebenfalls passieren, mit der Entwicklung sind wir genau auf dem richtigen Weg. Außerdem gibt es immer mehr Single-Haushalte, für die ist ein Elektrogrill leichter zu handhaben.

Gutes Fleisch ist natürlich wichtig

. . . für den perfekten Teller

Sie sprechen von Küchen fürs Freie: Das klingt mehr nach Kochen als nach Grillen.

Das ist schon Grillen – weil die Temperaturen sehr hoch sind. Nur dadurch entstehen die typischen Röstaromen. Die Geräte sind auch nur fürs Freie zugelassen. Der Unterschied zum Gasherd ist doch offensichtlich: Auf dem Herd müssen Sie eine Pfanne benützen, und Sie befinden sich in der Küche.

Stirbt der Kohlegrill irgendwann aus, obwohl das Feuer so fasziniert?

Jeder Grillfreund hat seine persönliche Affinität. Ich würde allerdings sagen, dass der Trend zum Drittgrill geht. Die meisten Menschen fangen mit einem Kugelgrill an, danach legen sie sich einen Gasgrill zu und irgendwann auch einen Elektrogrill.

Den Grillfreunden scheint ihr Hobby viel wert zu sein.

Die Menschen geben tatsächlich viel Geld für hochwertige Geräte aus. Der Einstieg liegt bei rund 800 Euro, nach oben ist dann alles offen.

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