Bernhausen Anker

Silvia Forlano vom Anker in Bernhausen. Foto: Thomas Krämer

„Eigentlich wollte ich das nur drei Jahre machen“, sagt Silvia Forlano und schmunzelt. Die Drei bei dieser Angabe ist durchaus korrekt, nur muss man noch eine Null dranhängen. Die 51-jährige Bernhäuserin ist seit 30 Jahren mit der Gaststätte Anker in Bernhausen verbunden – und heute die Wirtin.

Hauswirtschaftsleiterin habe sie gelernt, erzählt die Frau mit italienischen Wurzeln. „Doch in meinem eigentlichen Beruf habe ich keinen einzigen Tag gearbeitet“, ergänzt sie. Die Frage einer Freundin sollte ihrem Leben einen ganz anderen Verlauf geben. „Die war damals die Wirtin vom Anker und hatte nach einer Aushilfe gesucht – und ich habe ja gesagt.“ 1988 sei das gewesen, die Wirtschaft der Treffpunkt der linken Szene und Kulturschaffenden in Filderstadt, „und ich mittendrin“. Es gab Besitzerwechsel, Forlano blieb, wurde Stellvertreterin. Im Jahr 2000 kam dann das Angebot, den Anker zu pachten. „Ich musste schon überlegen, ob ich das mache“, sagt sie ein wenig nachdenklich, „schließlich hatte ich ein kleines Kind“. Doch die gebürtige Bernhäuserin ging zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter das Wagnis ein und übernahm die Wirtschaft, in der sie lange Jahre als Angestellte gearbeitet hatte.

Als 2013 das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat, veränderte sich das Publikum, es wehte ein frischer Wind durch das kleine Lokal. „Mancher aus der Stammkundschaft wanderte ab“, sagt sie. Dafür kamen neue Gäste hinzu, solche, die auf gute Küche Wert legten, diese aber bis dahin nicht im Anker genossen hatten. „Gutes Essen war uns immer wichtig, die Mischung aus Speiselokal und Treffpunkt“, sagt Forlano, die bereits vor 25 Jahren auf regionale Produkte gesetzt hatte.

2014 dann die nächste Entscheidung: Das 1892 errichtete Gebäude stand zum Verkauf. „Wenn ich es nicht erworben hätte, wäre das Haus vermutlich abgerissen worden“, vermutet Forlano. Das hätte auch das Ende von einem Teil der Bernhäuser Wirtshaustradition bedeutet. Denn einst hatte der Anker außerhalb des mittlerweile stark gewachsenen Ortes gestanden, war mit Toiletten und einer Tränke für die Tiere und Schänke für die Bauern Treffpunkt gewesen, wie Forlano erzählt.

Die neue Besitzerin investierte ein Jahr später in das Gebäude und erweiterte den Außenbereich. „Dadurch sind Gäste gekommen, die sonst nie bei uns waren“, sagt sie. Trotz der Arbeit in der Gastronomie bleibt Forlano Zeit für ein Hobby: reiten. „Das ist eigentlich ein Halbtagsjob“, sagt die Anker-Wirtin, die ihren 14 Jahre alten Andalusiermix in einem Stall in Schönaich untergebracht hat. „Das Gelände dort mit dem vielen Wald ist toll für Ausritte“, sagt Forlano. Zusätzlich geht sie auf den Reitplatz. Schließlich ist ihr Benito ein Sportpferd.

Auf ihrer Wunschliste steht das Reisen. „Ich bin offen für viele Ziele, aber warm sollte es schon sein“, sagt sie. So wie auf den Inseln in der Karibik. „Das“, sagt Forlano, „haben wir uns für das Frühjahr vorgenommen.“ Und dieses Reiseziel am Meer passt dann wiederum zu ihrer Gaststätte. Doch wie ein eher maritimer Gegenstand namensgebend für eine Wirtschaft auf den an Gewässern armen Fildern werden konnte, konnte sie bis heute nicht ergründen.