Bild Gottfried Stoppel

Das Stuttgarter Weindorf verpasst sich eine Verjüngungskur! Erstmals bespielen 18 Jungwinzer bei dem  einst eher beschaulichen Fest zwei Lauben, immer sechs zusammen. Das heißt: Vom 29. August bis zum 9. September weht ein frischer Wind über den Festplatz, auf der Terrasse bei der Alten Kanzlei, der sich in den vergangenen Jahren ohnehin als Flirttreffpunkt herauskristallisiert hat, schenken die Jungwinzer aus. Wir porträtieren für sie die jungen Wilden. Diesmal: Johannes Bauerle aus Stuttgart.

Berühmtheit bringt auch Probleme. Denn eigentlich macht Johannes Bauerle nach dem Glauben der Kundschaft schlicht den Wein zum Spargel, was daran liegt, dass der Name Bauerle auf dem Schmidener Feld natürlich für Spargel steht. Der Vater war der erste, der hier im größeren Maßstab dieses Gemüse angebaut hat und mittlerweile ist das Geschäft gewaltig expandiert. Aber der Junior Johannes (Jahrgang 1987) empfand nicht so sehr die Begeisterung für Spargel und Erdbeeren, er war lieber mit dem Großvater im Weinberg unterwegs. Traditionell baute die Familie nämlich Reben an, in Fellbach, Bad Cannstatt und im Stromberggebiet.

Wobei, wenn er ehrlich ist: Eigentlich wollte er „in jungen Jahren noch lieber Bier brauen“, wie Johannes Bauerle sagt. Dennoch entschloss er sich, eine Ausbildung zum Weinküfer zu machen. Und danach ging es für ein halbes Jahr nach Neuseeland – und der junge Küfer verliebte sich nicht nur ins Land, sondern auch ins Weinmachen. Die Passion war gefunden, „da hat’s dann einfach gepasst“. Johannes Bauerle machte in der Folge seinen Techniker in Veitshöchheim und stieg dann im elterlichen Betrieb ein. Nur: Ihm war es eben nicht genug, nur den Wein zum Spargel zu machen, der Ehrgeiz trieb ihn dazu, eigene, neue Wege zu beschreiten. „Wir mussten das trennen, mir ging es einfach um meine eigenen Vorstellungen“, sagt Johannes Bauerle.

Nebenher legte er seinen Betriebswirt ab, absolvierte Praktika in Franken und Südtirol –  und machte sich dann 2013 vollends selbstständig mit dem Weingut Johannes B. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat, immerhin brachte er es vor zwei Jahren bis zum Jungwinzer des Jahres in Württemberg.  Seine Ziele hat er damit noch nicht erreicht, denn es gibt immer was zu tun. „An ein paar Stellschrauben kann man immer noch drehen, wir sind noch am Ende angekommen.“ Und letztlich schmeckt der Wein dann noch ein bisschen besser. Sogar zum Spargel.

Der Lieblingswein?
Sauvignon blanc in allen seinen Facetten. Diese Sorte ist so vielfältig.

Mit wem würden sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Mit Angela Merkel, ich würde sie gerne fragen, wohin es mit ihrer Politik weiter geht.

Winzer oder Wengerter?
Wengerter. Ich heiße schließlich Bauerle und nicht Bauer.

 

Auf dem Stuttgarter Weindorf am 29. und 30 August sowie am 8. und 9. September an Stand 17

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