Bild: Gottfried Stoppel

Das Stuttgarter Weindorf verpasst sich eine Verjüngungskur! Erstmals bespielen 18 Jungwinzer bei dem  einst eher beschaulichen Fest zwei Lauben, immer sechs zusammen. Das heißt: Vom 29. August bis zum 9. September weht ein frischer Wind über den Festplatz, auf der Terrasse bei der Alten Kanzlei, der sich in den vergangenen Jahren ohnehin als Flirttreffpunkt herauskristallisiert hat, schenken die Jungwinzer aus. Wir porträtieren für sie die jungen Wilden. Diesmal: Jochen Eißele aus Kernen.

 

Eigentlich steht die Entwicklung exemplarisch für typische Besenwirtschaft. Wie im Weinbau selbst ist hier Wandel angesagt. Der typische Besucher, der möglichst viele günstige Viertele von zweifelhafter Qualität (wobei der Gast früher nie zweifelte, sondern trank) konsumierte, stirbt aus. Das Gast von heute legt auch in der Besenwirtschaft deutlichen Wert auf eine ordentliche Qualität. Und die kriegt er beim Weingut Eißele in Stetten. „Unser Ziel ist immer, einen guten ehrlichen Wein für erschwingliches Geld zu produzieren“, sagt Jochen Eißele.

 

Dabei wollte er als junger Kerl gar nicht in den Weinbau einsteigen, er absolvierte erst eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker. Aber hey, das kann in dieser Branche gar nichts schaden. Letztendlich stellte der heute 35-Jährige fest: Irgendwie kriegt man das in die Wiege gelegt.“ Wobei ihm auch das Vorbild half: Ein Praktikum bei Bernhard Huber, dem viel zu früh verstorbenen grandiosen Weinmacher aus Malterdingen in Baden, öffnete ihm die Augen. Jetzt ewar klar, dass er selbst Wein machen wollte. Er machte eine Ausbildung bei Weingütern wie Bernhard Ellwanger und auch wieder bei Huber, derart motiviert machte er seinen Techniker in Veitshöchheim. Das Auslandspraktikum brachte ihn nach Südtirol.

 

Mittlerweile arbeitet er im sieben Hektar großen Betrieb zusammen  mit dem Vater, die Besenwirtschaft läuft nach wie vor. Nur mit besserem Wein. Bei diversen Wettbewerben kassierte das Weingut Eißele gute Bewertungen. Und die Entscheidung, vom Landmaschinenmechaniker aus Winzer umgesattelt zu haben bereut Jochen Eißele nicht. Auch nicht wenn der Traktor streikt. „Die Selbstständigkeit ist eine gute Sache“, sagt er, „wenn man von der Traube bis in den Keller ine Produkt erzeugen kann, das einen am Ende selbst überzeugt, ist das eine gute Sache.“

 

Der Lieblingswein?
Das ist total unterschiedlich, aber die Sorte Sauvignon blanc gefällt mir sehr gut.

Mit wem würden sie gerne ein Glas Wein trinken?
Mit Uli Hoeneß. Ich will wissen, warum er ins Gefängnis gegangen ist und wen er geschützt hat.

Winzer oder Wengerter?
Ganz klar: WENGERTER!

 

Auf dem Stuttgarter Weindorf am 31. August und 1. September sowie am 4. und 5. September an Stand 17

 

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