Bild: Gottfried Stoppel

Das Stuttgarter Weindorf verpasst sich eine Verjüngungskur! Erstmals bespielen 18 Jungwinzer bei dem  einst eher beschaulichen Fest zwei Lauben, immer sechs zusammen. Das heißt: Vom 29. August bis zum 9. September weht ein frischer Wind über den Festplatz, auf der Terrasse bei der Alten Kanzlei, der sich in den vergangenen Jahren ohnehin als Flirttreffpunkt herauskristallisiert hat, schenken die Jungwinzer aus. Wir porträtieren für sie die jungen Wilden. Diesmal: Fabian Rajtschan aus Stuttgart-Feuerbach.

70469R! Und dazu ein Strichcode vorne auf der Flasche drauf. Fabian Rajtschan zeigte schon mit der Optik seiner Produkte: Hallo, hier kommt was Neues! Vielleicht liegt das ja daran, dass sich der Feuerbacher über seine Zukunft sehr schnell klar war, bereits mit 24 Jahren übernahm er den Weinbaubetrieb von seinem Vater. Zu diesem Zeitpunkte hatte der junge Mann bereits diverse Praktika an der Mosel, in Baden und im Remstal hinter sich  – und das Studium von Weinbau und Önologie in Geisenheim. Zudem ein halbjähriges Praktikum auf dem Weingut Opus One in Kalifornien, das ihn doch sehr geprägt hat.

Gut, der konsequente Schritt des jungen Mannes ergibt sich auch aus einem einfachen Grund: Vorher war der Betrieb darauf ausgelegt, den Wein für die familieneigene Besenwirtschaft in Feuerbach zu produzieren, der Junior wollte definitiv mehr. Er ist nicht so vermessen so vermessen, sich den Weltklassewein von Opus One als Vorbild zu nehmen, aber die Richtung stimmt schon mal. Fabian Rajtschan bearbeitet derzeit fünf Hektar und sieht sich damit auch an der Grenze des möglichen angekommen, „hier bin ich echt am Limit“. Auch, weil er Wert auf Handarbeit legt, auf naturnahe Weinbergsarbeit. Zum Beispiel mit natürlichem Dünger und möglichst wenig Pflanzenschutz. Seine Weine haben deshalb auch entsprechende Namen: Es gibt zum Beispiel die Wind-Linie. Oder Erde.

Natürlich strebt er mit neuen Rebsorten mittelfristig auch neue, noch bessere Qualitäten an. Als Jungwinzer des Jahre ist er bereits vor vier Jahren ausgezeichnet worden, aber die Ziele gehen deshalb nicht aus. Der 31-jährige Feuerbacher träumt nach wie vor von der richtig großen roten Cuvée, die er eines Tages erzeugen möchte. Und davon, seine Weine wieder etwas mehr zu promoten. Denn mit dem ersten Erfolg kam auch eine Menge Arbeit dazu, die ihn sozusagen in Feuerbach hält, wo er auch den meisten Wein verkauft. „Das ist halt ein Spagat, für den Verkauf fehlt mir einfach die Zeit, für Marketing sowieso“, sagt Fabian Rajtschan, „in Stuttgart habe ich zum Beispiel noch nicht die Präsenz, die ich mir wünsche.“ Und das, obwohl das Etikett sich in jedem Regal gut machen würde.

Der Lieblingswein?
Das ist einfach. Kürzlich habe ich einen 2009er Opus One getrunken, das war das Jahr, in dem ich dort mitgearbeitet habe. Ein genialer Wein!

Mit wem würden sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Mit Herrn Trump zusammen, um ihm mal meine Meinung zu geigen, was er für eine komische Politik macht.

Winzer oder Wengerter?
Wengerter.

 

Auf dem Stuttgarter Weindorf am 29. und 30 August sowie am 8. und 9. September an Stand 17