Bild: Gottfried Stoppel

Das Stuttgarter Weindorf verpasst sich eine Verjüngungskur! Erstmals bespielen 18 Jungwinzer bei dem  einst eher beschaulichen Fest zwei Lauben, immer sechs zusammen. Das heißt: Vom 29. August bis zum 9. September weht ein frischer Wind über den Festplatz, auf der Terrasse bei der Alten Kanzlei, der sich in den vergangenen Jahren ohnehin als Flirttreffpunkt herauskristallisiert hat, schenken die Jungwinzer aus. Wir porträtieren für sie die jungen Wilden. Diesmal: Denis Keifer und Sebastian Schiller von der KSKVintage Winery.

Um ein schlagfertige Antwort sind diese Typen nie verlegen. Was das Ziel ist? „Die Weltherrschafft!“, sagt Sebastian Schiller und lacht. Soweit ist das Duo noch nicht, aber er und Dennis Keifer haben zusammen die KSK Vintage Winery gegründet, das ist ja schon mal ein Anfang. Und: Die beiden haben etwas Einmaliges, bisher nicht Dagewesenes geschafft: Sie sind das erste Crowdfunding-Weingut!  Das heißt: Sie haben über eine Plattform im Internet  das Geld für ihre Firmengründung gesammelt. Und die beiden haben die ganze Sache noch auf eine neue Ebene getragen, das ganze Weingut läuft auch über Crowdproduction! Leute beteiligen sich bei den Arbeiten im Weinberg und bei der Lese, kriegen dafür dann Wein. „Das ist schon ein großartiger Marketing-Effekt“, sagt Dennis Keifer, „bevor wir die erste Flasche überhaupt abgefüllt haben, ist sie schon verkauft. Die Subskription fängt also schon im Weinberg an!“

Angefangen mit den beiden hat alles schon früher, als junge Männer in der Ausbildung engagierten sie sich in der Weingärtnergenossenschaft Rohracker, brachten dort frischen Wind rein, aber eine Genossenschaft ist halt immer ein bisschen wie ein Tanker. Und die beiden heute 35-Jährigen wollten eben ihr eigenes Ding machen. Sebastian Schiller ging den klassischen Weg, lernte bei Beurer in Stetten und Bercher in Baden und studierte schließlich in Geisenheim. Dennis Keifer studierte in Hohenheim – allerdings Wirtschaftswissenschaften. Er verdient heute sein Geld in einem Steuerberaterbüro. Sebastian Schiller dagegen arbeitet zudem beim Weingut Beurer.

Die KSK Vintage Winery ist den beiden dennoch ein gewaltiges Anliegen, denn hier geht es nicht nur um eine pfiffige Idee, auf die sich selbst überregionale Medien wie der Spiegel oder die Deutsche Presseagentur gestürzt haben, sondern um den Erhalt der Kulturlandschaft in Rohracker. Anderswo werden Steillagen aufgegeben, in Rohracker wird neu gepflanzt. Mit Dennis Keifer und Sebastian Schiller und ihrer Crowd. Das ist praktisch, denn in der Steillage helfen Maschinen ohnehin nicht so viel, sondern man braucht viele helfende Hände. Einen Hektar bewirtschaften die beiden inzwischen, das sei nun ein echter Test für die Marktfähigkeit. Aber klar sei auch: „Davon kann man nicht leben und schon gar nicht reich werden“, sagt Sebastian Schiller, „das Ganze wird wohl ein ideeler Betrieb bleiben über kurz oder lang.“

Wobei er doch noch eine kleine Chance sieht: Und da sind wir wieder beim Gedanken der Crowdproduction. Die Arbeit im Weinberg mache den Helfern einen gewaltigen Spaß, daraus lässt sich vielleicht Kapital schlagen. Über Firmen-Events zum Beispiel, denn Teamwork wird groß geschrieben in der Steillage. Und hinterher trinkt die Truppe zusammen ein Glas Wein in einer unglaublich schönen Kulturlandschaft. Schiller: „Das wäre vielleicht ein Weg in die Wirtschaftlichkeit.“ Und wieder eine Neuerung im Weinbau.

Der Lieblingswein?
Schiller: Der Barely White (ein weiß gekelterter Trollinger)
Keifer: Ich trinke alles gerne was gut schmeckt.

Mit wem würden sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Beide: Mit unseren Helfern vor dem Wengerterhäusle nach dem Schaffen.

Winzer oder Wengerter?
Beide: Da wir die Region erhalten wollen, sind wir halt Wengerter.

 

Auf dem Stuttgarter Weindorf am 29. und 30 August sowie am 8. und 9. September an Stand 17

 

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