Bild: Gottfried Stoppel

Das Stuttgarter Weindorf verpasst sich eine Verjüngungskur! Erstmals bespielen 18 Jungwinzer bei dem  einst eher beschaulichen Fest zwei Lauben, immer sechs zusammen. Das heißt: Vom 29. August bis zum 9. September weht ein frischer Wind über den Festplatz, auf der Terrasse bei der Alten Kanzlei, der sich in den vergangenen Jahren ohnehin als Flirttreffpunkt herauskristallisiert hat, schenken die Jungwinzer aus. Wir porträtieren für sie die jungen Wilden. Diesmal: David Siegloch aus Winnenden.

Von null auf hundert in einer Zeitspanne, die im Weinbau eher ungewöhnlich ist. David und Markus Siegloch traf ein Schicksalsschlag, der Vater erkrankte schwer und starb schließlich, als die Brüder gerade mit ihrer Ausbildung fertig waren.  Während andere junge Winzer fröhlich in die Welt gehen um Erfahrungen zu sammeln (und ein bisschen Spaß zu haben), folgte für David und Markus Siegloch gleich das komplette Programm mit entsprechender Verantwortung. Eine Herkulesaufgabe, die das Duo mehr als bravourös meisterte. „Ja, das war ein kompletter Neustart, definitiv“, sagt David Siegloch, der beim Weingut für Verkauf und Marketing zuständig ist, „aber wir haben von Jahr zu Jahr mehr Spaß dabei, was am Ende rauskommt.“

Markus Siegloch, der Jüngere der beiden (Jahrgang 1987), machte seine Lehre bei den Weingütern Bernhard Ellwanger und Schnaitmann, anschließend besuchte er die Technikerschule in Weinsberg. David Siegloch (Jahrgang 1985) lernte nach seinem Abitur in Betrieben  wie Karl Haidle in Stetten oder der Weinmanufaktur in Untertürkheim und studierte dann in  Geisenheim Weinbau und Önologie. Beide traf das Schicksal zwar hart, die jungen Männer waren aber präpariert. Entsprechend sind sie die Sache angegangen: Sie krempelten den Betrieb, vormals eher auf der traditionellen Schiene unterwegs, komplett um. „Die ersten zwei Jahre haben wir gebraucht, weil wir sehr viel umgestellt haben, zum Beispiel auch im Keller“, sagt David Siegloch, „aber inzwischen bin ich sehr zufrieden.“ Die beiden Jungwinzer erfahren viel Zuspruch, ihr Weg wird von Experten honoriert.

Das Ziel entspricht denn auch voll dem Charakter der beiden: Da ist von nichts Hochtrabendem die Rede, sondern nur davon „unseren eigenen Stil zu finden. Unsere Handschrift.“ Und dies mit aller Konsequenz. Die Premiumweine vermarkten die Sieglochs inzwischen nur noch als Landweine, weil der Charakter ihrer Tropfen nicht unbedingt zur Qualitätsweinprüfung  passt. Und deshalb planen sie schon den nächsten Schritt: „Wir überlegen uns, alles umzustellen – da ist einfach noch so viel Potenzial.“ Frei von allen Zwängen zu arbeiten, heißt das.Das wäre dann der eigene Stil. Un ddas Ziel erreicht.

Der Lieblingswein?
Einen Lieblingswein habe ich nicht, ich probiere immer weiter. Von unseren eigenen aber ischer der Riesling Sandhase.

Mit wem würden sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Am liebsten mit Bob Dylan. Ich glaube es gibt wenig Menschen, die mehr über sich erzählen können und außerdem kann er mir dann noch den ein oder anderen seiner Songtexte erklären.

Winzer oder Wengerter?
Winzer.

Auf dem Stuttgarter Weindorf am 31. August und 1. September sowie am 4. und 5. September an Stand 17