Karen Oesselmann und Lutz Haufe von der Eisfirma Kissyo Bild: privat

Milch von Demeter-Kühen, Früchte mit Bio-Siegel, kalorienarmes Eis – die Marke Kissyo will Umweltschutz, Gesundheit und guten Geschmack gleichzeitig. Dafür pflanzen die Unternehmer auch Bäume in Westafrika.

Lutz Haufe wollte baden. Aber seine elfjährige Tochter nicht. Sie wollte lieber wieder „Frozen Yoghurt“ essen. Sie waren in den USA, am Strand in San Diego. Gefrorener Joghurt, das war für die deutsche Familie etwas Neues. Zehn Jahre ist der Urlaub nun her. „Meine Tochter ist schuld“, sagt Haufe heute gerne im Spaß. Denn nach dem Urlaub machte er sich selbstständig und gründete sein eigenes Eis-Unternehmen mit dem Namen „Kissyo“, das seinen Sitz in Heilbronn hat. Das Besondere daran: Das Eis ist biologisch, klimaneutral, kalorienarm und wird in Deutschland produziert.

„Kissyo-Eis war von Beginn an kalorien- und fettarm, das liegt in der Natur des fettarmen Joghurts“, sagt Haufe. Die Milch stammt von Demeter-Kühen der Schrozberger Molkerei, und „das Eis besteht zu 57 bis 83 Prozent aus Joghurt“, ergänzt Produktentwicklerin Karen Oesselmann. Ihr ist zu verdanken, dass das Eis neuerdings klimaneutral ist. Oesselmann kam auf die Idee, den ökologischen Fußabdruck berechnen zu lassen, die die Herstellung des Joghurt-Eises hinterlässt – und und für den Klimaausgleich zu bezahlen. Kissyo wandte sich daraufhin an Nature Office, eine Agentur, die Unternehmen dabei hilft, Klimaneutralität zu erreichen.

In die Berechnung des Fußabdruckes flossen Lagerungsart und Lagerdauer der Tiefkühlware ebenso ein wie die Transportwege der Rohstoffe. Denn die Früchte der verschiedenen Eissorten kommen meist nicht aus der Region. Das liege daran, dass die regionalen Fruchtbauern zu kleine Mengen produzieren und nicht den Qualitätsanspruch für Eis erfüllen würden, sagt Oesselmann. Himbeeren bezieht Kissyo meist aus Polen, Mangos aus Indien. Die Früchte tragen das europäische und das deutsche Biosiegel, deren Auflagen manchen Bio-Einkäufern nicht streng genug sind. „Aber dafür sind unsere Produkte bezahlbar und wettbewerbsfähig“, argumentiert Oesselmann. Der Klimaausgleich fließt in Waldaufforstungsprojekte im Schwarzwald und in Brasilien. Außerdem soll in einem Projekt in Togo, Westafrika, die Bevölkerung langfristig unterstützt werden. Haufe sagt: „Seitdem Karen die Idee des Klimaausgleiches hatte, lebe ich noch viel umweltbewusster.“

Die Produktion des Eises hat eine Firma in Osnabrück übernommen. „Weil die Produktion ausgelagert ist, müssen wir geschult sein und unsere Produkte gut kennen“, sagt Oesselmann. Deshalb esse das fast 20-köpfige Team nahezu täglich Kissyo-Eis. Oesselmanns Lieblingssorte ist „pures Joghurteis mit Blaubeersorbet verstrudelt“. Die Produktentwicklerin plant gerade das nächste Projekt: Das Eis soll ganz ohne Zucker auskommen. Denn: „Unserem Eis merkt man nicht an, dass es kalorienarm ist, wenn man es blind verkostet“, sagt sie. Und auch Haufe hat ehrgeizige Pläne: „Es ist uns ein Dorn im Auge, dass es ausgerechnet in unserer Heimat Stuttgart noch so wenige Verkaufsstellen hat“, sagt er. Er will die Anzahl der Verkaufsstellen in der Region deutlich steigern. Seine Mitarbeiter würden täglich neuen Filialen einen Besuch abstatten. In vielen Stuttgarter Kaufland-Filialen kann man das Eis schon kaufen.

Haufe wünscht sich außerdem, dass Händler ihre klimaneutralen Produkte ähnlich wie glutenfreie, vegane oder biologische Ware entsprechend kennzeichnen. Seine heute 20-jährige Tochter ist derweil in Togo und informiert sich bei einem Praktikum darüber, wie das Klimaprojekt in Westafrika vorankommt.

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