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Volker Klenk ist verrückt nach „Herrgottsbscheißerle“. Der Exil-Schwabe betreibt einen Maultaschen-Blog, hat ein Maultaschen-Manifest geschrieben und möchte, dass sie am Gründonnerstag besonders gefeiert werden. Er fordert für diesen Tag den Weltmaultaschentag.  

Sogenannte Welttage gibt es bald so viele, wie das Jahr Tage hat. Neben ernstzunehmenden wie dem Weltfrauentag oder dem Weltgesundheitstag gibt es auch eher spaßige wie den Welttag des Purzelbaums oder den Tag der Minzschokolade. Höchste Zeit also für den Weltmaultaschentag! Weil dafür nur der Gründonnerstag in Frage kommen kann, an dem in vielen Küchen mit der Großproduktion von „Herrgottsbscheißerle“ dem Ende der Fastenzeit entgegen gefiebert wird, handelt es sich sozusagen um einen beweglichen Welttag ohne fixes Datum, der dieses Jahr zum ersten Mal gefeiert werden soll: am 18. April.

Der Initiator ist natürlich ein Schwabe durch und durch: Volker Klenk, 56, seit Jahrzehnten VfB-Mitglied, aufgewachsen in Winnenden, studiert in Stuttgart, aber seit 1990 „in der hessischen Diaspora“ lebend, inzwischen in Kronberg im Taunus. In seiner Verkündung des Weltmaultaschentags schreibt er: „Kein anderer Tag vereint die Schwaben auf aller Welt so überwältigend und innig – außer vielleicht der Tag, an dem der VfB Stuttgart Deutscher Meister wird. Aber damit ist ja in diesem Jahr leider nicht zu rechnen.“

Exil-Schwabe Volker Klenk

Ein Logo gibt′s auch schon

Bei allem Spaß an der Freude ist es Klenk auch ein ernstes Anliegen, „die schwäbische Maultasche mit ihrer geschützten Herkunft als hohes Kulturgut zu würdigen“, wie er sagt. Schließlich ist die französische Küche seit 2010 auch Weltkulturererbe. Hilfreich für die Verbreitung seiner Botschaft ist, dass er ein PR-Profi mit einem „Prof. Dr.“ im Titel ist – Klenk hat an der Universität Mainz eine Honorarprofessur für Unternehmenskommunikation. Der „Weltmauldaschadag“ aber sei ein rein privates Ding mit der Devise: „Da es bisher keiner gemacht hat, mach‘ ich es eben.“

Die Ziele sind eher bescheiden. Eine offizielle Aufnahme in die Liste der Welttage, wie auch immer das gehen mag, strebe Klenk gar nicht an, wohl aber das Teilen seiner Leidenschaft: Auf der Website www.weltmaultaschentag.de können sich Maultaschen-Maniacs austauschen und das Weltmaultaschentags-Logo herunterladen, um es für eigene Aktionen einzusetzen. Dazu gibt es im „Schwaben-Shop“ allerlei Fanprodukte wie Weltmaultaschentag-T-Shirts, -Tässle und -Schürzle, von deren Erlös je zwei Euro an Slow Food gehen.

Aber wie ist das als Schwabe im Taunus weit weg von der nächsten Maultasche? Schwierig. Und weil das mit denen aus dem Supermarkt so eine Sache sei, musste sich Klenk bislang selbst helfen, indem er in der Küche gelegentlich ans Werk ging. Seit 2014 wird einmal im Jahr sogar im großen Stil produziert: 2000 Maultaschen, die auf dem Kronberger Weihnachtsmarkt für einen guten Zweck verkauft werden. „Die Leute haben die uns aus der Hand gerissen“, sagt Klenk. Vielleicht liegt es daran, dass sie nach Oma Lisbeths Rezept sind, das in der Füllung nur bestes Rind- und Schweinfleisch im Verhältnis 50:50, frisches Brät, Eier, jungen Blattspinat, milde Gemüsezwiebeln, Brötchen und vier Gewürze zulässt: Salz, Pfeffer, Majoran, Muskat.

Maultaschen mit Kartoffelsalat . . .

. . . oder in der Brühe

Oma Lisbeth ist Klenks Mutter, die wie so viele Mütter und Großmütter die selbstverständlich besten Maultaschen der Welt macht. Aber im Alter von 82 Jahren macht sie sich auch nicht mehr so oft wie früher das „Heidengschäft“. Und sie lebt weiterhin in Winnenden, fern vom Taunus.  Also lässt Volker Klenk nun mit Oma Lisbeths Segen einmal im Monat Maultaschen nach ihrem Originalrezept herstellen – in Stuttgart-Gaisburg von Mega, der größten deutschen Fleischergenossenschaft. Der Name des Online-Shops, dessen Geschäftsführer Klenks pensionierter Nachbar in Kronberg ist: Oma Lisbeths Maultaschen.

Vom Versand dieses „kleinsten Maultaschenprojekts der Welt“ profitiert auch Klenks Familie im Taunus. Der Sohn fange das frische Päckchen immer schon an der Haustür ab. Denn Klenk ist ein kritischer Genießer. „Mich ärgert kolossal, welch mittelmäßige, teilweise gar unterirdische Ware als ,schwäbische Maultasche‘ verkauft werden darf“, schreibt er in seinem Manifest. Einerseits: „Maultaschen ohne Fleisch sind keine Maultaschen.“ Andererseits: „Das Problem mit vielen Maultaschen von Metzgereien: Die übertreiben es mit dem Fleisch. Es fehlt ihnen die Balance und Lockerheit.“ Von Füllungen mit Hummer, Lachs und Bärlauch oder Zusatzstoffen wie Ascorbinsäure, Glucosesirup und Natriumacetat ganz zu schweigen.

Volker Klenk ist auch der vermutlich einzige Mautaschen-Blogger der Welt und kommt als solcher viel herum. Wo also gibt es die besten Maultaschen außer Haus? Die gute Nachricht: in Stuttgart. Die schlechte: nicht mehr. Klenk erinnert sich zu gern an die Maultaschen von Burhan Sabanoglu, der sich aber leider längst aus dem Murrhardter Hof verabschiedet hat.

Wie auch immer: Die Schwaben lieben ihre Maultaschen

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